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SWR3 Gedanken

Ein Gottesdienst für die armen Seelen. Hier und da gibt’s das noch in katholischen Kirchen. Klingt schon ziemlich skurril. Doch dahinter verbirgt sich eine Frage, die eigentlich Viele von uns umtreibt: Was ist eigentlich, wenn wir gestorben sind? „Wo ist mein Opa jetzt“, hat mich mal eine Studentin unserer Hochschulgemeinde gefragt. Ihr Großvater, den sie besonders lieb hatte, war gestorben. Genau diese Frage haben sich Menschen immer schon gestellt. Aber weil man sich früher schlicht nicht vorstellen konnte, dass ein Mensch direkt in den Himmel, also zu Gott, kommt, stellte man sich eine Zwischenstation vor. Eine Art Wartezimmer quasi. Da mussten die Seelen der Toten dann erst mal warten, bis sie rein genug sind für den Himmel. Logisch, dass da bei vielen Menschen das Kino im Kopf angeht. Als Kind habe ich selber versucht, mir das irgendwie plastisch vorzustellen. Kein Wunder also, dass sich Menschen um ihre Verstorbenen gesorgt haben.

„Und Opa, wo ist der jetzt?“ All die theologischen Theorien habe ich der jungen Frau natürlich nicht erzählt. Ich habe ihr einfach gesagt, worauf ich selber hoffe. Dass ihr Großvater nun bei Gott ist, schlicht und einfach. Auch, wenn wir uns diesen Zustand nicht vorstellen können. Und das Gott all das, was vielleicht noch unfertig geblieben ist an seinem Leben, geraderichten wird.

Wenn heute, am Tag Allerseelen, etliche Menschen die Friedhöfe besuchen, dann geht es dort kaum mehr um jene armen Seelen, die gerettet werden müssen. Aber es geht noch immer um die tiefe Verbundenheit mit jenen Menschen, die wir geliebt haben und oft schmerzlich vermissen. Und um die Hoffnung, dass sie nicht vergessen sind. Von uns nicht und auch nicht von Gott.

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