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SWR4 Abendgedanken

In der Bibel werden ungefähr 160 Tiere erwähnt. Der Löwe, der Adler, das Kamel, der Wal oder die Heuschrecke.

Meistens stehen sie da für bestimmte Eigenschaften – für gute und auch für weniger gute. Wie ich sie eben auch an mir kenne. Weil ich diese Eigenschaften neu entdecken wollte, habe ich einen Ausflug in die Wilhelma gemacht. Und da waren dann auch die Tiere, die ich aus der Bibel kenne und einige andere. Und sogleich habe ich mich auf die Suche nach Eigenschaften gemacht, die ich von diesen Tieren lernen kann. Zum Beispiel sind mir die Flughunde aufgefallen - wie zärtlich sie miteinander umgehen. Sie haben unter ihren Flügeln richtig nah beieinander gekuschelt. Sogar bei der Futteraufnahme waren sie nur im Doppelpack zu sehen.

Oder der schöne bunte Schmetterling im Schmetterlingshaus. Ich habe zugesehen, wie er aus seinem Kokon geschlüpft ist. Das hat ewig gedauert. Und dann hat er seine Flügel ausgebreitet und hat so lange gewartet mit dem Wegfliegen, bis seine Flügel trocken waren. Er hat das Fliegen sozusagen im Trockenen geübt. Ich lerne vom Schmetterling, Geduld zu haben und den richtigen Moment zu finden, loszulassen und etwas Neues in Angriff zu nehmen. Ach ja, die Gelassenheit eines Kamels wünsche ich mir manchmal auch für meinen Alltag. Wie ruhig und langsam ein Kamel sich bewegen kann, staunenswert. Leider ist es für mich nicht so einfach ist, die Eigenschaften der Tiere umzusetzen, also, denke ich, wäre so ein Tiersegen doch genau das Richtige für mich. Ich habe einen entdeckt, den ich besonders schön finde. Dieser Tiersegen lautet so[TS1] :

Guter Gott, segne mich und alle deine Geschöpfe, die Tiere. Lass mich immer wieder dankbar auf die Schöpfung schauen. Wie schön du alles geschaffen hast um mich herum.

Gib mir die Gelassenheit eines Kamels. Schenke mir die Stärke eines Bären und den Mut, wie der Löwe ihn hat. Den Weitblick einer Giraffe und das dicke Fell eines Elefanten. Gib mir die Vorsicht eines Hasen und die Aufmerksamkeit wie Hunde sie für andere haben.

Hilf mir, alle Hindernisse des morgigen Tages gut zu überwinden wie ein Känguruh es macht - mit einem leichten Sprung. Lass mich andere eine Freude machen wie verspielte Äffchen es gerne tun. Gib mir die Fröhlichkeit eines Spatzen und die Ausdauer eines Esels.

Schenke mir die Verspieltheit eines Kätzchens und die Sanftheit eines jungen Zickleins. Und manchmal wünsche ich mir, so schlau zu sein wie ein alter Fuchs.  Segne mich, guter Gott, und alle Tiere, die mir lieb sind. Amen.

 

(Tiersegen nach Hanna Günther. In: Ich höre das Herz des Himmels pochen. Ostfildern 2005).


 [TS1]Bitte auch hier den Vortrag gut vorbereiten!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20648