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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Meint der wirklich, was er da sagt? Meint der wirklich mich, meint er es ehrlich oder redet er nur so daher? Diese Zweifel kennt jeder, der Reden, Predigten, Grußworten und anderen oft sehr ermüdenden Dingen zuhören musste. Das war schon immer so Was passieren kann, wenn einer zu lange redet, erzählt die Apostelgeschichte in der Bibel so: Als der Apostel Paulus einmal in der Stadt Troas bis nach Mitternacht redete und kein Ende fand, schlief ein junger Mann, der auf dem Fensterbrett saß, tief und fest ein. Und fiel dann aus dem dritten Stock auf die Straße hinunter. (Apg20,7-12) Zum Glück ist wohl nichts Schlimmes passiert, man weiß aber nicht, ob Paulus danach aufgehört hat zu predigen. Die Leute, die sich in Athen um Paulus versammeln, um ihm zuzuhören, sind mutiger. Sie hören dem Paulus zwar gerne zu. Als es ihnen aber zu lang wird oder zu seltsam, was dieser Mann da über die Auferstehung der Toten erzählt, sagen sie: „Ja, ja, ist schon gut. Darüber wollen wir dich ein anderes Mal hören.“ Und sie lassen ihn einfach stehen und gehen weg (Apg17,32). Ob der große Apostel da einen schlechten Tag gehabt hat? Oder einfach viel zu oberlehrerhaft geredet hat? Wer seine Briefe kennt, kann sich das durchaus vorstellen. Ich lese solche Stellen in der Bibel gerne. Denn sie zeigen mir, dass auch da Menschen wie du und ich am Werke waren. Mit den gleichen Stärken und Schwächen. Die gute und schlechte Tage hatten und es trotzdem geschafft haben, die Gute Botschaft, das Evangelium von Gott, der Mensch geworden ist, glaubhaft unter die Leute zu bringen. Und ich glaube, das haben sie geschafft, weil sie –meistens wohl- den Menschen in die Augen geschaut, kein Blatt mit Text in der Hand hielten sondern frei aus dem Herzen heraus gesprochen haben. Die berühmteste Rede des 20. Jahrhunderts hat der Baptistenpfarrer Martin Luther King 1963 gehalten. „I have a dream“ dieser Satz ging um die Welt. Diese Rede war in den ersten 10 Minuten stinklangweilig und vom Blatt abgelesen. Erst als er das Manuskript weg legte und frei aus dem Herzen sprach, hat er 4 Minuten Weltgeschichte geschrieben. Das verlangt von uns ja niemand. Aber frei, kurz und aus dem Herzen zu reden, wenn’s drauf ankommt: das steht jedem von uns gut.

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