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SWR3 Gedanken

„Das kann ich allein!“ – als ich im Kindergartenalter war, war das mein Lieblingssatz. Das kann ich allein! Ich wollte ganz selbstständig Hosen und T-Shirts aussuchen und mich selber anziehen. Ich wollte ohne Fahrradstützen Rad fahren und Schuhe selber binden. Vermutlich kennen Sie das, diesen kindlichen Stolz. „Lass mich, ich kann das allein!“ Und wie wichtig es ist, das zu respektieren.
Dazu gibt’s eine Geschichte in der Bibel. (2.Mose 18,13-27)
Mose, der Chef der Israeliten, urteilt von morgens bis abends über Rechtsstreitigkeiten. Sein Schwiegervater beobachtet ihn und hat so seine Fragen. Aber Mose verteidigt sich: „Ich muss das alles machen. Sie kommen ja alle zu mir!“ Sein Schwiegervater hat da seine Zweifel, ob Mose das alles so alleine machen muss. Schließlich würde er sich selber dabei müde machen. Und das Volk, das von morgens bis abends anstehen muss, würde dabei auch müde werden. „Wie wäre es, wenn du Hilfsrichter einsetzen würdest? So für kleinere Rechtsstreitigkeiten?“ schlägt der Schwiegervater vor.
Mose muss erst mal lernen, Hilfe oder Rat anzunehmen. Zum Beispiel vom Schwiegervater. Er muss lernen, bei seiner Arbeit Prioritäten zu setzen, Arbeit zu delegieren und sich von anderen auch mal helfen zu lassen.
Als Kind war ich stolz darauf, vieles allein zu machen und allein zu können. Als Erwachsene bin ich stolz darauf, nicht mehr alles allein machen zu müssen. Weil ich weiß: bei vielen Dingen bin ich sehr wohl auf die Hilfe anderer angewiesen – so wie andere auf meine Hilfe angewiesen sind. Das Leben ist ein lebendiger Austausch. Ein Geben und Nehmen von Hilfe.  Manchmal mehr, manchmal weniger.

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