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SWR2 Wort zum Tag

„Sie werden künftig nicht mehr lernen, Krieg zu führen“. Dieser Satz beschreibt die Hoffnung einer von Kriegen geplanten Generation. Vor fast 3000 Jahren. (Micha 4,3) Heute, am 1. September, ist es 76 Jahre her, seit der bisher größte Krieg der Menschheit begonnen hat. Der Zweite Weltkrieg. Mehr als 50 Millionen Menschen hat er das Leben gekostet. Diese schrecklichen Erfahrungen - sie hätten doch das Ende aller Kriege einleiten müssen!
Diese Hoffnung hat bisher immer getrogen. Nach jedem Krieg derselbe Schwur: Nie wieder Krieg! Und eine Generation später ist alles vergessen. Nur weil ein neuer Feind auftaucht. Nur weil mit Gewalt eigene Interessen durchgesetzt werden müssen. Und dann nimmt das Unheil von neuem seinen Lauf.
Die Liste der Konflikte und Kriege seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zählt mehrere hundert neue Auseinandersetzungen. Und die Zahl der Opfer übersteigt die aller vorausgegangenen Kriege. Kriege haben meist mehr neue Konflikte hervorgerufen als sie gelöst haben. Wenn sie denn überhaupt je einen Konflikt gelöst haben. Kriege machen offenkundig, wer der momentan Stärkere ist. Und sie werden manchmal auch in der Absicht geführt, weiteres Blutvergießen zu verhindern. Ob diese Entscheidung richtig war, lässt sich meist erst aus zeitlicher Distanz klären.
Heute führt auch die Klimaveränderung zu Kriegen. Es gibt Kriege um Nahrungsmittel. Krieg um Wasser. Krieg um Energie. Und natürlich gibt es unerträgliche Gewalt, der Menschen oder Staaten entgegentreten wollen. Wahrscheinlich kommen wir deshalb um eine Art internationaler Polizeieinsätze nicht herum.
Jesus hat diesen Satz auch gekannt: Sie werden nicht mehr lernen Krieg zu führen. Er steht in seiner Bibel, unserem Alten Testament. Darum preist Jesus diejenigen glücklich, die Frieden stiften. (Matthäus 5,9) Dass Menschen nicht mehr lernen, Krieg zu führen - diese biblische Vision muss auch politisch Gestalt gewinnen. In Verträgen, die den Krieg zwischen Staaten ausschließen.  Ein geeintes Europa kann dazu auch viel beitragen. Wenn die Mitgliedsländer auf Augenhöhe agieren. Und nicht neues Streben um Vorherrschaft das alte, überwundene ersetzt.
Jeder 1. September ruft in mir den Traum wach, dass diese Welt ohne Krieg möglich ist. Und – Gottseidank! – gibt es viele, die diesen Traum mit mir teilen.

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