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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Im letzten Jahr sind über 200.000 Menschen aus der Katholischen Kirche in Deutschland ausgetreten. Ein neuer Höchstwert. Und auch der evangelischen Kirche kehren immer mehr Menschen den Rücken. Die Gründe sind vielschichtig. Immer wieder werden genannt: Kirchensteuer und problematische Moralvorstellungen, der schwindende Glaube und die mangelnden Möglichkeiten von Frauen in der Kirche.

Allerdings: Die Kritik an Glaube und Kirche sind so alt wie der Glaube selbst. So erzählt bereits das Johannesevangelium, dass viele Menschen mit Jesus unzufrieden sind. Jesus rechtfertigt sich. Er sei der Sohn Gottes. Für viele ist das zu viel. Das können Sie nicht glauben. Im Text heißt es lapidar: „Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.“ (Joh 6,66)

Auch Jesu Botschaft stößt schon auf Kritik. Kann nur wenige überzeugen. Wie geht Jesus nun mit diesen Kritikern um? Ganz einfach: Er lässt sie in Ruhe, bequatscht sie nicht, läuft nicht hinterher. Sondern er fragt die, die bei ihm bleiben: „Wollt ihr auch gehen?“ (Joh 6,67) Er fordert also eine Entscheidung.

Gehen oder Bleiben, diese Spannung prägt das Christentum also seit den Anfängen. Glaube ist nie etwas Selbstverständliches. Glaube fordert heraus. Zu einer eigenen Stellungnahme. Ich muss mich also #entscheiden, wie ich mit dem Glauben umgehe. Das fällt mir manchmal leicht – und manchmal schwer. Insgesamt habe ich den Glauben und die Kirche als Ort der Heimat erfahren. Ich bin nach wie vor von diesem Jesus fasziniert. Einem Mensch, der radikal ernst macht mit dem Menschsein. Und ich glaube, dass es mehr als das Hier und Jetzt gibt, mehr als das, was ich sehe und übersehen kann. Ich glaube, dass Menschsein einen Sinn hat. Dass vor Gott alles zählt und nichts verloren geht.

Deshalb bin ich in der Kirche, in der all das eine Rolle spielt und Thema ist. Auch wenn ich nicht mit allem in der Kirche einverstanden bin. Aber ich weiß, dass von Anfang an Streit und Auseinandersetzung zum Glauben gehören. Deshalb will ich streiten und nicht gehen.

 

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