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SWR2 Wort zum Tag

Schwester Sigrid kocht Woche für Woche literweise Ringelblumensalbe ein - für die vielen Kranken im Hospital der St. Anna Schwestern in Ellwangen. Für Schwester Sigrid ist das normal. Oder besser gesagt: Das ist ihre Lebensaufgabe, die sie glücklich macht. „Selbstverständlich mache ich das gerne. Wenn es den anderen gut geht, dann geht es mir auch gut“, erzählt sie mir, als ich sie besucht habe.

Sie verteilt die Ringelblumensalbe immer bei ihren Krankenbesuchen. Und wenn sie von Bett zu Bett geht, teilt sie nicht nur gute Wünsche und viele gute Worte aus, sondern verschenkt immer auch ihre Salben in den weißen Dosen und dem roten Deckel drauf. Schwester Sigrid glaubt an die Kraft der guten Worte. Und sie glaubt daran, dass Menschen gesund werden, wenn sie viel Gutes von anderen empfangen. Und natürlich glaubt sie auch an die Heilkraft ihrer selbstgemachten Salben.

Jetzt im Sommer sammelt sie alle zwei Tage einen ganzen Eimer voll mit den gelben Blüten der Ringelblume. Besser gesagt: Sie zupft sie zärtlich von den Stielen. Und dann kocht sie diese mit viel Vaseline und Bienenwachs und anderen wohlriechenden Kräutern ein. Arnika, Zitronenmelisse oder Kamille zum Beispiel. Sie macht das mit viel Liebe und, was mich begeistert, ganz ohne Rezept. „Ein Rezept habe ich nicht“, erzählt sie mir. „Ich mache das intuitiv, rein aus dem Bauch heraus, aber es stimmt immer.“ Sie zählt 12 Hände voll Blüten in den Kochtopf und nickt dabei mit dem Kopf. „Das ist ganz einfach“, sagt sie. Ob sie denn auch ein Rezept für ein gelingendes Leben habe, frage ich sie. „Ja natürlich. Mein Glaube“, sagt sie strahlend. „Denn ohne meinen Glauben an Gottes gute Worte geht bei mir im Leben gar nichts. Und übrigens: Im Sterben hilft es auch, wenn man einfach loslassen und sich hingeben kann.“ Das hat sie herausgefunden bei den vielen kranken Menschen hier im Krankenhaus, erzählt sie mir. „Ich glaube, wenn Menschen glauben können, dass alles wieder gut wird, dann tun sie sich leichter im Leben und vor allem dann, wenn es nicht mehr weitergeht.“  

Ob Sie denn selbst nie krank gewesen sei? „Oh doch“ sagt sie, sie sei schon zweimal im Garten gestürzt. Beim Pflücken der Ringelblumensalbe. Ausgerechnet!  „Ach was“, sagt sie, „ich habe zwei OPs hinter mir. Aber wissen Sie, womit ich die Wunden täglich einschmiere?“ Ich grinse: „Ja, mit Ihren eigenen Salben.“ „Richtig“, sagt sie. „Und es hilft. Es hilft immer wieder. Jetzt wird alles wieder gut. Wissen Sie, die Kranken brauchen mich.“

Voll beladen mit einem Pfund Salben und reich beschenkt im Herzen mit vielen guten Gedanken verabschiede ich mich von Schwester Sigrid. Einige der Salben habe ich auch dann gleich weiterverschenkt. Denn ich glaube, darum geht es Schwester Sigrid: Gutes miteinander teilen. Denn das tut mir gut und anderen auch. Danke, Schwester Sigrid.

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