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SWR3 Gedanken

Die Beeren leuchten rot zwischen den grünen Zweigen. Schnell sind sie gepflückt, gewaschen und püriert. Den Fruchtbrei gebe ich in einen Topf, mit Gelierzucker und ein paar Kräutern. Schon bald blubbert die Masse wie Lava, zieht Schlieren in allen möglichen roten Farbtönen. Und dann sind sie fertig. Vier Gläser Johannisbeer-Marmelade! Lohn meiner Mühen.
Ich koche gern Marmelade ein. Das ist ein guter Ausgleich für Schreibtischarbeit und Brüten über Texten. Meine Hände arbeiten – und  dabei die Seele baumeln lassen. Das tut mir einfach nur gut.
Wenn mir die Beeren durch die Finger ins Waschbecken rinnen, denke ich: Wie gut hat Gott seine Schöpfung gemacht. Dieses Farbenspiel der Früchte, wenn sie dann im Topf blubbern. Gleichmäßig umrühren ist wie Meditation. Wie ein Gebet. Ich ziehe Kreise mit dem Kochlöffel und spüre, dass ich ruhiger und gelassener werde.
Natürlich ist es schneller, wahrscheinlich sogar billiger und sicher einfacher, die Marmelade im Supermarkt zu kaufen. Aber der Lohn vom Selbermachen ist für mich größer.
Denn ich unterbreche dabei meinen Alltag – und genau das ist unbezahlbar. Ich kann mit allen Sinnen ein kleines Stück von Gottes großer Schöpfung genießen. Und ich mache die Erfahrung: Als Mann habe ich auch noch andere Fähigkeiten, was Neues zu schaffen.
Die Bibel nennt das „Gottesebenbildlichkeit“: Kreativität, Schöpfungsgeist. Die helfen uns dabei, die Natur zu bewahren. All das wunderbare Leben, das uns anvertraut ist und wie alles miteinander verwoben ist.
Mir werden diese Gedanken beim Marmeladekochen deutlich. Und bei Ihnen?

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