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SWR4 Abendgedanken

- oder verändert „weniger“ den Blick? 

Wenn es kalt ist, sagen wir, es ist zu kalt, wäre es doch endlich wärmer! Wenn es warm ist, sagen wir, es ist zu warm, kaum auszuhalten, wäre es doch endlich kühler…! Gott müsste eigentlich irre werden an uns und unseren Bitten. Nie zufrieden sind wir mit dem was ist, immer die Sehnsucht nach dem was sein könnte. Bei so vielem ist das so, nicht nur beim Wetter. Heute wollen wir dies, morgen genau das Gegenteil. Ich erwische mich selber dabei mir etwas zu wünschen, es dann zu kaufen und sobald ich es habe verliert es mein Interesse. Ich freu mich am neuen I Phone, das dauert aber nicht allzu lange, denn schon wird das Nachfolgemodell angepriesen, das mein jetziges Handy als von gestern aussehen lässt. Das wahnsinns-teuere Kleid das die Brautmutter zum ersten Mal stolz zur Hochzeit ihrer Tochter anzieht verliert in Windeseile seinen Reiz, wenn in der anderen Verwandtschaft es eine Dame gleichfalls trägt. Mit viel Geduld und Herzblut und mit noch mehr Leidenschaft hat man sich seine Wohnung passend eingerichtet und fühlt sich in ihr pudelwohl. Dann der Besuch beim Nachbarn, der noch das und das hat, was man haben könnte, sich aber jetzt nicht leisten kann, was aber doch so toll aussieht und die eigene Bude alt aussehen lässt. Schon ist es aus mit „pudelwohl“. Die Liste wäre einfach zu erweitern, Beispiele gibt es viele. „Sie scheinen mir aus einem edlen Haus: Sie sehen stolz und unzufrieden aus“, spottet schon Johann Wolfgang von Goethe. Da hat sich wohl nicht viel geändert in den letzten Jahrhunderten. Das oft weniger mehr ist und die Freude über das was ist zufrieden machen kann, weiß man oft im Kopf, liest darüber, findet das auch richtig, lebt nur nicht danach. 

Ewiger Gott, hilf uns aus diesen Mechanismen auszusteigen. Lass Dich nicht verwirren, wenn unsere Bitten und Wünsche so widersprüchlich sind wie unser unzufriedenes Verhalten. Hör einfach nicht hin, Ewiger, entspann dich und sammle deine Kraft, zu viele echte Klagen sind in deiner, unserer Welt, zu viele Schreie. Hör ihnen zu und hilf uns sie zu hören, damit wir weg von unseren kleinen Unzufriedenheiten befreit erkennen, was wirklich wichtig ist. Störe unser Kreisen um uns selbst und lass uns wach bleiben, um zu helfen wo es uns möglich ist. Diese Bitte erfüll uns, warte nicht, wir bitten dich.

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