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SWR4 Abendgedanken

- oder der auf dem Weg zur Gelassenheit  

„Geduld in allen Dingen, führt sicher zum Gelingen“, sagt ein Sprichwort und der Dalai Lama ist der festen Überzeugung: „Geduld zu üben ist die wirksamste Methode, unseren inneren Frieden zu bewahren.“ Man muss sie nur haben: die Geduld. Ich hab sie nicht immer. Ich bin nicht so geduldig wie andere, die gleichmütig bleiben auch wenn der Boden unter ihnen wankt. Ich bin es schon im Kleinen nicht: ich könnte aus der Haut fahren in der Schlange vor der Kasse am Supermarkt, wenn jemand umständlich nach seinem Geldbeutel sucht, die PIN für die EC Karte falsch eingibt, das Obst nicht abgewogen hat oder zum fröhlichen Plausch mit der Kassiererin ansetzt. Oder wenn alles Hupen nichts nützt um dem Fahrer vor mir an der Ampel klar zu machen, dass Rot vorbei ist und Grün weiterfahren bedeutet. Ganz und gar nicht nette Gefühle spüre ich dann. Ganz großartig auch wenn man nach schlechten Erfahrungen mit der unpünktlichen Bahn dann doch das Auto nimmt und sich nach sechs Baustellen im finalen Stop-and-Go-Stau der siebten wiederfindet. Nein, ich bin nicht geduldig. Jedenfalls nicht immer. Gewiss Temperamentssache, Familiengene, man ist wie man ist, sich selbst aushalten ist nicht immer leicht. Und doch wünsche ich mir Gelassenheit, wenigstens etwas davon, um Dinge, die ich nicht ändern kann, hinzunehmen, auch wenn es schwer fällt, erst durchzuatmen bevor ich poltere, leichter, langsamer, nachsichtiger zu sein oder zu werden. Das Gegenteil kann ich ja ziemlich gut... 

Lass mich geduldiger sein, Gott, der Du selbst Geduld hast im Übermaß und auch wahrhaftig brauchst mit Blick auf Deine nur selten ganz geglückten Ebenbilder. Und schenk mir Geduld beim geduldiger werden, das ich nicht plötzliche Heilung erwarte, mich nicht überfordere. Vielleicht erstmal über mich schmunzeln vielleicht sogar lachen lerne, nach dem nächsten genervten "Das-darf-doch-nicht-wahr-sein-Seufzer", der mir so schnell oft verärgert entfährt. „Die Belohnung für Geduld ist Geduld“, schreibt Kirchenvater Augustinus. Schritt für Schritt ändert sich meine ganze Haltung, wächst der „innere Friede“ wie es im Wort des Dalai Lama hiess.  Hilf mir dabei Gott und hab Geduld mit mir, wie ich mit anderen und sie mit mir.

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