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SWR3 Gedanken

Ich verzeihe Dir! Das haben Hinterbliebene zu dem Mann gesagt, der ihre Lieben umgebracht hat. Sie erinnern sich vielleicht- das Attentat von Charleston, bei dem ein Weißer, Dylan Roof neun Schwarze erschossen hat. Und zwar in einer Kirche. Wo er kurz zuvor noch mit seinen Opfern gebetet hat. Mich verwirrt diese Geschichte. Dass einer der Hinterbliebenen vor dem Haftrichter zum Mörder seiner Liebsten sagte, er sei wütend, aber "Der Hass wird nicht siegen. Wir sind eine Familie, die auf Liebe baut." Und dann sagte er zu dem Mörder: "Gott segne dich."
Ich weiß nicht, ob ich so etwas könnte.
Die Bibel sagt: „Vergebt euch untereinander, wie Jesus euch vergeben hat.“ Die Angehörigen nehmen das ernst und setzen es in die Tat um.
Aber: Ist das denn seelisch überhaupt zu schaffen? Ist es nicht besser, erstmal seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen? Sollte man die Wut nicht erst mal spüren dürfen, das Bedürfnis nach Rache wenigstens mal aussprechen? Ist es nicht besser zu sagen: Ich will nichts mehr mit Dir zu tun haben, weil mir jede Faser meines Körpers vor Schmerz weh tut?
Natürlich darf man Trauernden nicht vorschreiben, wie sie mit so einer Situationen umzugehen haben. Aber mir leuchtet ein, dass es wünschenswert ist: Den Hass nicht siegen zu lassen und trotz der Verletzung weiter auf Liebe zu bauen. Es leuchtet mir ein, sich nicht im Hass einzuigeln. Es kann gut tun zu vergeben. Und dadurch die Tür zu einer Zukunft offen zu lassen.

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