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SWR3 Gedanken

Was ist ein Menschenleben wert? Und was sollte man riskieren, um es zu beschützen? Gerhard Braune hat sogar sein Leben riskiert.
Paul Gerhard Braune ist nicht so bekannt. Sollte er aber sein, finde ich. Denn vor 75 Jahren hat er gegen die Barbarei in Nazi-Deutschland protestiert. Er hat die Gräueltaten der Nazis öffentlich gemacht. Und zwar in seiner „Kirchlichen Denkschrift gegen die Euthanasie“.
Die Nazis haben damals nämlich Menschen mit Behinderung als lebensunwert bezeichnet. Sie sagten: Sie würden nur Geld kosten und deshalb der Gesellschaft schaden. Deshalb sollten sie planmäßig getötet werden. T4 hieß das Programm dafür. Graue Busse sind in die Heime für Menschen mit Behinderung gefahren, haben die Betreffenden eingesammelt und sind dann mit ihnen, zum Beispiel nach Grafeneck gefahren. Dort sind sie umgebracht worden.
Paul Gerhard Braune jedoch war wachsam. Als Leiter einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung hat er diese Transporte dokumentiert und das so gut es ging veröffentlicht. Eben mit seiner „Kirchlichen Denkschrift gegen die Euthanasie“.
Kurze Zeit später wurde er verhaftet. Ein Jahr später wurde das Programm T4 offiziell gestoppt. Weil mehrere evangelische und katholische Bischöfe dagegen öffentlich protestiert haben. Paul Gerhard Braune hat die Nazidiktatur überlebt.
Hat seine Denkschrift damals die Leute zum Nachdenken angeregt? Ich weiß es nicht. Aber die Geschichte von Paul Gerhard Braune bewegt mich. Ich frage mich: Welches Opfer sollte uns ein Menschenleben wert sein? Braune würde sagen: Jedes Menschenleben ist es wert, dass man dafür kämpft und die Wahrheit sagt. Ich wünsche mir, dass ich das auch kann, auch wenn ich befürchten muss Nachteile davon zu haben.

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