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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

"Ich will grad einfach nur weg, wo einfach alles einfach ist“, singt ein deutscher Liedermacher und spricht mir mit seinen Fluchtgedanken voll aus der Seele.
Manchmal jedenfalls. Wenn es bei mir - mal wieder - alles andere als einfach ist. Weil mir alles über den Kopf wächst.
Gerade in solchen Momenten träume ich mich gerne mal davon.
Aber meistens ist das gar nicht so einfach. Das mit dem Flüchten. Was kann dann helfen?
Vielleicht ist es erst einmal die kleine Flucht - aus dem Alltag.
Jesus hat das so gemacht. Der hat sich immer mal zurückgezogen. An einen einsamen Ort, auf einen Berg oder in den Garten. Im Gespräch mit Gott hat er versucht, zur Ruhe zu kommen. Und überlegt, wie und wo es weitergeht. Schließlich hat er sich leiten und beflügeln lassen.
Und zwar - von der Liebe.
Das erzählt auch die Bibel: Jesus hat sich mit Freunden auf einen Berg geflüchtet.
Petrus ist auch dabei. Und dem gefällt es auf dem Berg so gut, dass er am liebsten für länger bleiben möchte. Er schlägt deshalb vor, dort Hütten zu bauen und einfach weg zu bleiben.
Jesus geht darauf aber nicht ein. Denn er liebt. Und zwar die Menschen und seine Aufgabe.
Jesus war nämlich auch erfüllt und beseelt von seinem Auftrag. Dem Wunsch, die Liebe, die er in sich spürt, die Liebe, mit der Gott ihm begegnet, weiterzugeben.
Weil ihm das auf dem Berg wieder klar wird, kommt eine dauerhafte Flucht für ihn nicht in Frage und er kann zurückkehren.
Manch ein Kurz- oder Langzeit-Urlauber hat das vielleicht schon einmal ähnlich erlebt. Nach einiger Zeit der Ruhe, ist da wieder mehr Gespür da. Für das, was und wer einem Zuhause wichtig ist. Und das gibt plötzlich neue Kraft.
Da sind vielleicht die Enkel, um die man sich noch kümmern will. Oder der Job, den man vermisst. Da ist vielleicht der eine besondere Mensch, dem man etwas zu geben hat.
Wer die Liebe in sich entdeckt oder wiederfindet und sich davon leiten lässt, der wird beflügelt und hat plötzlich neue, manchmal ungeahnte Kräfte.

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