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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Manchmal kann ich die Spannung nicht mehr aushalten. Da ist ein Buch so packend, dass ich unbedingt wissen will, wie es ausgeht. Dann – ich muss es zugeben- schlage ich die letzten Seiten auf, schaue nach, was mit meinen Hautpersonen passiert - bin manchmal ziemlich überrascht und lege das Buch dann nachdenklich zur Seite.
Im richtigen Leben bin ich oft auch gespannt wie ein Flitzebogen. Und würde sehr gerne auch da mal „vorblättern“. Und nachsehen, ob die Geschichte gut ausgeht. Dann könnte ich manche lebenswichtige Entscheidung leichter treffen.
Vielleicht hat sich das der junge Mann auch gedacht, von dem Jesus einmal erzählt. Eines Tages steht der nämlich vor so einer Lebensentscheidung. Er will auf eigenen Beinen stehen, braucht dafür aber Unterstützung. Deshalb trifft er eine schwere Entscheidung: er bittet seine Eltern, ihm sein Erbe auszuzahlen.
Dieser Schritt hat unabsehbare Folgen. Denn damit stößt er nicht nur seine Familie vor den Kopf, er verlässt auch deren Schutz – damals überlebenswichtig. Aber für seinen Traum will er alles riskieren.
Was hat ihn so mutig gemacht? Was macht mutig, Entscheidungen zu treffen und voranzugehen. Auch wenn man das Ende nicht kennt?
Die Geschichte von dem jungen Mann, die Jesus erzählt, ist jedenfalls erst einmal nicht gut gegangen. Der junge Mann scheitert auf ganzer Linie. Sein Erbe hat er falsch investiert, dann kommt eine Hungersnot. Alles läuft anders, als er sich das erträumt hat.
Hätte er das vorher gewusst, hätte er vielleicht anders entschieden.
Aber „vorblättern“ in der eigenen Geschichte geht eben nicht.
Jesus erzählt, dass der junge Mann dann zu seiner Familie zurückgeht. Und obwohl er sein Erbe verspielt hat, setzt ihn sein Vater wieder als seinen Sohn und Erben ein.
Jesus will damit sagen: auch wenn Lebensentscheidungen sich als falsch erweisen, Sie und ich, wir dürfen und sollen unsere Lebensgeschichte weiterschreiben. Unser Leben endet nicht mit der letzten Seite wie ein Buch, sondern sie geht weiter.
Und niemand darf an falschen Entscheidungen zugrunde gehen. Wir sollen einander weiterhelfen und auch Gott räumt uns immer wieder neue Chancen ein.

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