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SWR3 Gedanken

Mose hat einen Menschen umgebracht.
Vielleicht ist er ein Mörder – vielleicht ist er aber auch ein Held.
Seine Lebensgeschichte steht in der Bibel.
Mose hat nicht das Glück, ohne Schuld leben zu können.
Denn Mose wird in einem Arbeitslager zufällig Zeuge,
wie ein Gefangener von einem Aufseher brutal gefoltert wird.
Da schlägt Mose den Aufseher tot.
Das Folteropfer überlebt und kann fliehen.
Auch Mose flieht.
Und dann? Was macht Gott mit einem Menschen wie Mose?
Drückt Gott alle Augen zu,
weil der Zweck angeblich die Mittel heiligt?
Oder muss Mose bestraft werden,
weil er zwar Gutes wollte, aber Böses tat?
In der Bibel steht kein klares Urteil.
Vor Gottes Augen ist kein Mensch nur schlecht oder nur gut.
In Gottes Perspektive lässt sich Leben nicht in schwarz-weiß einteilen.
Die Grauzone dazwischen ist der Ort, an dem wir leben.
Mose kann zwar schließlich auch noch die anderen Gefangenen aus dem Arbeitslager befreien – aber er persönlich erreicht nicht sein Ziel.
Denn als die Gefangenen in Freiheit und nach langer und gefährlicher Flucht beinahe in Sicherheit sind, stirbt Mose.
Er hat die Rettung vor Augen – und erlebt sie doch nicht mehr.
Mose erreicht viel, aber er erreicht nicht sein Ziel.
Wahrscheinlich ist das die Antwort Gottes:
Mose verdient offensichtlich keine Strafe wie ein Mörder.
Aber genauso offensichtlich sind die Folgen seiner Tat:
Mose muss ein Leben lang weglaufen
und wird auf der Flucht begraben.
Übrigens von Gott selbst, denn
anscheinend wollte ihm niemand sonst diese letzte Ehre erweisen.
Weil er eben ein Mörder war, selbst wenn der Mord gut gemeint war.
Nur Gott blieb immer bei Mose, auch wenn er ein Mörder war.
Den Bericht über den Mörder Mose können sie übrigens nachlesen:
in der Bibel ziemlich weit vorn im Zweiten Buch Mose.
Da steht die Geschichte von einem Menschen,
der getötet hat, um Leben zu retten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2007