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SWR3 Gedanken

Essen hält Leib und Seele zusammen, hat mein Vater immer gesagt. Er hat Kriegs- und Hungerjahre erlebt. Und er hat gewollt, dass wir immer genug zu essen haben.
Aber ich hab bald gemerkt: essen allein hält nicht Leib und Seele zusammen. Sonst gäbs ja keine Magersucht oder all die anderen Essstörungen. Schon Jesus hat gesagt: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Ich glaube, er stirbt sogar am Brot allein. Den Tod am Brot allein.
Es gibt Leute, die essen täglich Kaviar, Sushi und Lachs, sie trinken Champagner und stehen doch hungrig vom Tisch auf. Sie hungern nach Leben, nach Sinn, nach Liebe. Aber sie finden es nicht in dem, was sie essen, trinken oder sich anziehen.
Was hält Leib und Seele zusammen? Jesus sagt: wenn Gott zu dir spricht, wenn du den Sinn verstehst, wenn dir die Liebe begegnet. Das kannst du nicht allein. Deshalb brauchen Kinder zum Beispiel nach der Schule nicht nur was zu essen, sie brauchen jemanden, der ihnen was Warmes auf den Tisch stellt und sagt: so, erzählt mal. Wie war es heut? Sie brauchen jemanden, der ihnen verbietet, mit dem I-phone rumzuspielen beim Essen. Damit sie wirklich da sind.
Und wenn heute Abend die Grillgeräte angeworfen werden und die Männer ihre Fleischtrophäen aufs glühende Metall werfen, dann brauchen sie Freunde, die mit ihnen Steak und Senf und Sorgen teilen. Das ist es, was Leib und Seele zusammenhält.
Ich persönlich finde es schön, wenn die, die um den Tisch sitzen, miteinander dran denken, dass es ein Glück ist, genug zu essen zu haben. Und dass man nicht Angst haben muss, dass Bomben fallen.
Deshalb mag ich es, wenn einer am Tisch das mal ausspricht. Vielleicht so: Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt oh Gott von dir, wir danken dir dafür. Oder bei Hungernotstand, die Kurzfassung: lieber Gott, segne flott! Amen

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