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SWR3 Gedanken

Im Trierer Dom steht eine neue moderne HeiligenFigur –
kaum anders zu erwarten, könnten sie denken; aber ehrlich gesagt:
dass das eine Heilige sein soll, muss einem jemand sagen.
Rosa Margareta Flesch soll da zu sehen sein; Ordensgründerin, also Nonne…  

Aber hier: Barfuß steht da eine junge Frau mit offenem Haar,
ihr kurzes Kleid eher ein wenig abgerissenen, patchwork, eher ein Kleidchen.

Und in ihren Händen hält sie ein Modell von einem Haus.
Das scheint in der Mitte auseinandergebrochen zu sein…
Viele Heilige werden ja so dargestellt:
Mit einer Kirche auf dem Arm oder dem Kloster, das sie gegründet haben.
Aber die Rosa Flesch da im Trierer Dom ist keine Nonne im Ordensgewand.

Rosa Margareta Flesch, eine junge Frau im Westerwald, 
hat Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein Nonnen-Kloster gegründet.  .
Zuerst wollte sie alleine den Armen und Kranken in ihrer Umgebung helfen;
und den Waisenkindern –die wurden immer noch verkauft,
weil sie die Eltern verloren hatten; das wollte Rosa verhindern .…

Das war eine neue Idee, da in der Gegend um Waldbreitbach;
das war irgendwie ein interessanter alternativer Lebensentwurf,
da wollten bald schon andere mitmachen –
und nach zehn Jahren bereits waren sie eine größere feste Gemeinschaft.
Die brauchte ein gemeinsames Haus –
und das trägt die Mutter Rosa-Figur im Trierer Dom vor sich her.
Kloster und Krankenhaus und Waisenhaus zugleich hatte sie bauen lassen.

Das ist mehr als hundert Jahre her –
und trotzdem war Mutter Rosa schon eine moderne Heilige;
ihre Ordensgemeinschaft, das sind die Waldbreitbacher Franziskanerinnen –
ist heute der größte kirchliche Krankenhauskonzern in Deutschland. Einerseits.
Anderseits haben viele in diesem Orden sehr lange alles getan,
die Gründerin zu vergessen; schon zu Lebzeiten haben sie sie abgeschoben.

Eine ehrliche Figur der heiligen Mutter Rosa haben wir da im Dom zu stehen;
stark genug, das zerbrochene Haus zusammenzuhalten,
das man ihr aus der Hand geschlagen hat, als sie noch lebte.
Stark genug, den Menschen heute zu zeigen, wie christlich leben gehen kann.

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