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SWR2 Wort zum Tag

Wenn das einzig Sichere im Leben sein Ende, der Tod ist, kann man das Leben dennoch lieben und sich daran freuen? Wer wird das letzte Wort haben: das Leben oder der Tod, Licht oder Finsternis? Gibt es Hinweise, die hilfreich sind, um zu erkennen, in welche Richtung die Antwort geht? Wird nicht die Antwort für jeden anders ausfallen?

Seit Menschen existieren, stellen sie diese Fragen und kommen damit an kein Ende. Zugleich gilt, dass unser Leben selbst eine Antwort enthält: Denn keiner kann leben, ohne einen Funken Glauben, dass sich das Leben lohnt. Ohne diesen Vorschuss an Vertrauen ist Leben gar nicht möglich.

„Dem Leben vertrauen. Das kann niemand an Stelle eines anderen – aber zugleich ist ein solches Vertrauen nur möglich durch die Gegenwart eines anderen.“ – so lese ich bei einer Theologin. Die Evangelien erzählen, wie Frauen und Männer Jesus ansprechen und ihm sagen, wie sehr sie nach Leben verlangen: „Ich will sehen, sprechen, gehen, hören“, „Hilf meinem Knecht“, „Rette das Leben meines Sohnes, meiner Tochter“. Sie suchen Jesus, weil ein Verlangen nach Heilung für sich und ihre Nächsten sie dazu treibt. Oft heißt es in diesen Berichten, dass Jesus sich über ihren Glauben wundert, dass ihre vertrauensvolle Suche ihn im Innersten anrührt und erschüttert. Er bestärkt diese Menschen in ihrem Verlangen und entlässt sie geheilt in ihr eigenes Leben.

Zugleich macht er ihr Vertrauen öffentlich. Er spricht es aus, bekundet laut sein Staunen über den Glauben dieser Menschen. Er dankt Gott dafür. Das Vertrauen, dass es sich zu leben lohnt, wird entscheidend für das Leben eines Menschen, weil ein anderer es wahrnimmt, es ausspricht und Gott darin am Werk erkennt.

Das ist die Sprache des Glaubens: Staunen, Danken, Loben, und auch Bitten. Für diese Sprache steht der niederländische Dichter und Theologe Huub Oosterhuis. Eines seiner Lieder singt:

Alles ist gut,

was du gemacht hast. 

Mühselig, langsam,

in Hoffnung und Furcht

gestalten wir deine Verheißung aus,

bauen wir

an der Stadt des Friedens,

an der neuen Schöpfung,

wo du uns Licht bist,

alles in allem.

Gib Kraft dazu,

bring uns an ein

glückliches Ende,

Gott.            

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