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SWR3 Gedanken

Es ist ein Bilderbuchnachmittag.
Im Garten neben der Kirche sitzen Leute zusammen, unterhalten sich, einige spielen mit den Kindern, die da sind und die Kinder - nach anfänglicher Scheu - toben miteinander.
Muhamad und Dalia heißen die.
Die Kinder sind Flüchtlinge.
Manche erst ganz kurz in Mannheim, manche schon länger.
Die Familien haben inzwischen sogar Wohnungen in der Stadt und versuchen sich einzurichten.
Die Eltern erzählen von der Mühe, die Kinder in Kindergärten unterzubringen,
die sind ja eh überlastet.
Andere Erwachsene erzählen aufgeregt von ihren Familien, die sind in Flüchtlingslagern
im Libanon oder in der Türkei.
Ja, sie sind in Sicherheit, aber einer hat seine Kinder seit Jahren nicht gesehen,
seit er eben auf der Flucht ist. Seine kleinste Tochter hat er noch nie gesehen.
Was sollen sie nur tun, damit sie hierkommen können.
Andere fragen, wie das gehen soll, sie sind Ärzte und Rechtsanwälte, sie wollen arbeiten, aber sie wissen genau:
Davor steht die Hürde so Deutsch zu lernen, dass sie hier alles anerkennen lassen können.
Das dauert Jahre. Von was sollen sie leben bis dahin?
Manche sind Palästinenser, sie waren einmal sicher in Syrien.
Dann mussten sie weiter fliehen. Einer erzählt von der Flucht über Bulgarien,
wie sie immer wieder abgefangen wurden und zurückgeschickt, wie er es dann geschafft hat, aber dort lebte ohne jede Hilfe,
wie ein Hund auf der Straße, Wasser aus Pfützen getrunken.
Es ist ein Bilderbuchnachmittag. Kinder spielen im Garten.
Aber die Seelen der Flüchtlinge sind noch nicht angekommen.
Sie sind bei den Familien weit weg. Sie sind bei den Toten, im Krieg, im Meer,
und bei der Sorge um ein Morgen, das anders, das besser werden soll.
Gemeinsam schweigen und beten wir für die vielen, die wieder untergegangen sind, für die, die um sie weinen und für das Leben derer, die noch immer irgendwo auf der Flucht sind.
Dass sie ankommen heil und sicher.

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