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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

in der katholischen Kirche

Vor drei Tagen wurde er seliggesprochen –Oscar Romero, Erzbischof von San Salvador in Mittel-Amerika. Er war ein Verfechter der Menschenrechte und war ein Anwalt der Armen. 1980 wurde er von den Militärs des Landes während eines Gottesdienstes ermordet. Papst Franziskus erklärte ihn zum Märtyrer und hat ihn seliggesprochen. Er wird nun in besonderer Weise verehrt.

Das Leben von Oscar Romero ist deshalb interessant, weil es nicht gleichförmig, sondern fast widersprüchlich verlief. Als er 1977 Erzbischof wurde, war er ein Mann der Mächtigen. Das Militär in San Salvador wusste ihn auf seiner Seite. Er galt als linientreu und konservativ.

Im Amt hat  Oscar Romero sich gewandelt. Er wurde vom Saulus zum Paulus. Er prangerte die Käuflichkeit der Gerichte an und die Ausbeutung der Armen. Plötzlich stand er auf der Seite des Volkes, unterstützte den Freiheitswillen der einfachen Leute. Tausende starben, andere wurden verhaftet und wurden verschleppt. Trotz dieser Gräueltaten lehnte er Gewalt strikt ab.

Oscar Romero wusste, dass er auf der Todesliste der Militärs ganz oben stand. Ihm wurde Asyl in anderen Ländern angeboten, doch er lehnte ab mit der Begründung, er könne sein Land nicht alleine lassen.

Am Tag vor seiner Ermordung im März 1980 hielt er seine letzte Predigt. Es war sein Vermächtnis. Er sagte: „Es ist an der Zeit, dass ihr euer Gewissen wiederentdeckt und es höher haltet als die Befehle der Sünde. Die Kirche, Verteidigerin der göttlichen Rechte und Gottes Gerechtigkeit, der Würde des Menschen und der Person, kann angesichts dieser großen Greuel nicht schweigen.“ Und Oscar Romero weiter in seiner letzten Predigt: „Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Klagen jeden Tag lauter zum Himmel steigen, ersuche ich euch, bitte ich euch, befehle ich euch im Namen Gottes: Hört auf mit der Repression!“

24 Stunden später fielen die tödlichen Schüsse. Oscar Romero wurde für sein Martyrium von den Menschen in San Salvador verehrt. Er musste sterben, weil er das Evangelium Ernst nahm. Jetzt wurde er offiziell selig gesprochen.

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