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SWR2 Wort zum Tag

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.“ (Pred.9,10) Hier spricht kein Motivationstrainer, sondern der Prediger Salomo. Lebensnah und lebensfroh gibt er den Rat: Trink deinen Wein mit gutem Mut. Iss dein Brot mit Freuden. Geniesse dein Leben. Und tu was! Bei den Toten gibt es weder Tun noch Denken. Deshalb: Lebe ein tätiges Leben, solange du Kraft hast.

Mir liegt etwas daran, diese biblische Stimme zu Gehör zu bringen. Vielleicht habe ich in letzter Zeit ein bisschen viel mit Positionen zu tun gehabt, die zur Verhaltenheit, zum Grenzen-Setzen, zum Für-Sich-Gut-Sorgen ermahnen. Ich sehe natürlich ein, dass meine Kraft und mein Können Grenzen haben, ich spüre es ja. Aber soll ich darum mit angezogener Handbremse leben, den Blick stets darauf gerichtet, was sein wird, wenn meine Lebenskraft schwächer wird? 

Ich will gewiss nicht einer Überheblichkeit das Wort reden, die von unbesiegbaren Kräften und unerschöpflicher Energie ausgeht. Aber doch daran erinnern: In der Bibel ist neben der Aufforderung zu einem kontemplativen Leben auch der Ruf zu einem aktiven, tatkräftigen Leben zu finden.

Wenn junge Leute von den Älteren und Lebenserfahrenen zur Vorsicht gemahnt und zur Achtsamkeit mit ihren Ressourcen aufgerufen werden, ist das weit vorausblickend, aber der Situation nicht unbedingt angemessen. Wer sein Leben vor sich hat, soll es doch nicht in einer Schonhaltung antreten, sondern das Potential entfalten können, das er, das sie hat. Die Lebenskräfte und Lebensbegabungen sind ein Schöpfungsgeschenk, sagt die Bibel. Sie sollen gelebt werden! 

Was für ein Potential junge Leute haben, habe ich neulich aus nächster Nähe erlebt: Bei dem Projekt „Model United Nations Baden-Württemberg“ trafen sich 500 junge Leute, die in einem groß angelegten Planspiel die Arbeit der Vereinten Nationen darstellten. Ich war ziemlich beeindruckt: Sie organisierten ihre Konferenz souverän und umsichtig. Sie waren ausgezeichnet vorbereitet auf ihre Diskussionsthemen. Sie führten engagierte politische Debatten. Und sie konnten feiern. Was für ein Potential! Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft. Die kriegen das schon hin.

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.“ Ich will Jüngeren etwas zutrauen und ihnen den biblischen Ruf in ein tätiges Leben mitgeben. Und dafür auch mit meinem eigenen tätigen Leben, so weit es mir möglich ist, eine glaubwürdige Ratgeberin sein.

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