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SWR4 Abendgedanken

In einer alten orientalischen Geschichte geht es um eine Frau, die für ein freies, selbstbestimmtes Leben kämpft.  Die Geschichte beginnt so: Ein stolzer König hatte drei Töchter. Er rief sie zu sich und sagte zu ihnen: „Euer Schicksal liegt in meiner Hand. Ob euer Leben gelingt, hängt ganz von meinem Willen ab.“ „Ja“, sagten zwei der Töchter, „so ist es wohl.“ Nur die dritte Tochter widersprach: „Ich glaube nicht, dass mein Schicksal nur von dir abhängen soll.“

Das ließ sich der König nicht gefallen und warf seine eigenwillige Tochter ins Gefängnis. Viele Monate lag sie dort in Ketten. „Du siehst doch, dass dein Leben von meinem Willen abhängt“ lachte sie der König aus. Die Tochter blieb hart. Verärgert befahl der König, seine Tochter in der Wildnis auszusetzen. Bestimmt würde sie dort zur Vernunft kommen. Doch die junge Frau fand sich in der Wildnis schnell zurecht. Sie traf auf andere Menschen, die auch nicht jedem Befehl des Königs gehorchen wollten. Die zu viel Fantasie und eigene Ideen hatten, um sich ständig anzupassen. Zusammen gründeten sie eine Stadt, in der jeder sein Leben selbst in die Hand nahm. Bald wuchs und gedieh die Stadt. So zeigte die Tochter ihrem Vater: „Mein Schicksal wird nicht nur durch dich bestimmt. Letztlich gehört mein Leben mir.“

Die Botschaft der Geschichte ist klar: Ich kann selbst über mein Leben bestimmen. Bei den eigenen Eltern fängt es an: Wenn ich ihnen nur immer alles recht machen will, führe ich nie mein eigenes Leben.  Oder in Partnerschaften: da kommt es oft genug vor, dass nur einer die Hosen anhat.

Vielleicht erscheint es manchmal unmöglich, anders zu leben. Dann heißt es: „Ich würde ja anders leben wollen, aber mein Chef, meine Eltern, mein Partner und so weiter…“

Darum gefällt mir diese Geschichte von der Königstochter. Sie ermutigt das eigene Leben zu leben. Menschen, die das schaffen, wirken lebendiger und bunter - mit ihren Ecken und Kanten. Ihr Beispiel ist ansteckend. Sie machen Mut, das Leben selbst in die Hand zu nehmen.

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