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SWR2 Wort zum Tag

Ostern ergreift den ganzen Menschen Die Begeisterung war ihr ins Gesicht geschrieben. Als die kleine Julia nach der Osternacht ihrer Oma erzählte, was sie alles erlebt hat, strahlte sie über beide Backen. „Das war ganz toll“, sagte sie,„dauernd haben alle gerufen: Hallo Julia!“ Na ja, klingt ja auch fast wie Halleluja. Fast.

Ich habe das natürlich am anderen Tag in der Messe erzählt, als Osterwitz und die Leute haben
sich ebenso amüsiert. Der Osterwitz ist eine schöne alte Tradition, das Lachen am Ostermorgen soll daran erinnern, dass Ostern wirklich ein Fest ist, über das man sich freuen kann. Und das nicht nur im Kopf stattfindet. Der ganze Mensch soll begreifen, was Ostern heißt:

Christus hat den Tod besiegt, jedenfalls den,  der uns endgültig vernichten könnte. Das Grab ist nicht die letzte Station des Menschen. Das kann gefeiert werden.Die strenge Fastenzeit ist vorbei, keine traurigen Lieder mehr, „Fürchtet euch nicht“, hieß es in der Osternacht, der Tod ist nicht die letzte Grenze. Er wird eine bleiben, klar, niemand weiß, wie das sein wird: Himmel, ewiges Leben. Selbst Jesus sagt uns nicht genau, wie das aussehen soll. Es bleibt die letzte
Überraschung Gottes mit uns. Aber es wird sie geben. Das glaube ich, das hoffe ich, auch wenn ich es mir selbst auch immer wieder von anderen sagen lassen muss. Der letzte Sprung ins Ungewisse, das Vertrauen in Gott ohne letzten Beweis, das ist das Risiko, das wir Glauben nennen. Wir haben durch Christus Gottes Versprechen, dass wir nicht ins Leere fallen.

Fürchtet euch nicht! Gott will unser Leben, unser ewiges Leben, aber eines, das in seinem Sinne schon jetzt beginnt. Indem wir leben, was wir glauben. Es zumindest versuchen. Gott hat eine Idee von uns, wie wir sein sollen, wir sein könnten.An uns und unserer Freiheit
liegt es, dieser Idee ähnlicher zu werden. Schaffen werden wir das hier eh nie. Heilige sind selten, aber die Chance menschlicher zu werden, die gibt es jeden Tag. Es ist nie ganz finster.
Manche Steine können so weggeräumt werden. Steine, die vor selbstgemauerten Gräbern liegen. Durch ein Wort, durch ein Lachen, durch ein Weinen. Es werden immer Bruchstücke sein. Anfänge. Gott selbst wird irgendwann vollenden. Bis dahin ist Zeit. Unsere Zeit.


 

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