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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es gibt Brüder, die können sich schon als Kinder nicht riechen. Und wenn die Eltern dann auch noch Öl ins Feuer gießen – das kann zu lebenslangen Feindschaften führen.
So eine Geschichte gibt es auch in der Bibel (1.Mos 25-27):
Da sind Jakob und Esau, die zweieiigen Zwillinge - die raufen sich schon im Mutterleib. Als sie älter sind, gehen sie sich aus dem Weg. Und das hätte wohl auch funktioniert, wenn da nicht die Eltern gewesen wären…
Denn dem Vater geht der Esau über alles. Deshalb beschließt er, ihm noch zu Lebzeiten die Geschäfte zu übertragen. Er ist ja auch der Erstgeborene.
Bei der Mutter hingegen dreht sich alles um den Jakob. Und der soll nicht leer ausgehen. Denn Jakob – das ist ihr Seelenverwandter. Und wenn es um ihn geht, ist ihr jedes Mittel recht. Und deshalb heckt sie einen Plan aus, wie sie und Jakob den Vater betrügen. Und Esau um seine Rechte bringen.
Der Betrug funktioniert. Aber die Geschichte endet damit, dass die Familie auseinanderbricht: Jakob muss vor seinem Bruder ins Ausland fliehen. Und mehr als 20 Jahre gehen so ins Land.
Ich kenne eine Familie, da war es ähnlich. Da ist die Familie in zwei Parteien zerfallen, nach irgendwelchen Erbstreitigkeiten. - Am Erbe entzündet sich ja oft nur das, was eh schon lange brodelt. Jedenfalls, seither ist Totenstille.
- Was kann man da machen?
In unserer Geschichte geht es so weiter:
In der Fremde baut sich Jakob zwar ein neues Leben auf. Aber jetzt ist er derjenige, der anderen vertraut - und betrogen wird. Und das verändert ihn.
Und eines Tages beschließt er, die Sache mit Esau wieder gerade zu biegen.
Da macht er sich auf den Weg, aber er hat furchtbare Angst. Eine ganze Nacht ringt er mit Gott. Und am Ende traut er sich, dem Bruder gegenüberzutreten.
Und die Geschichte geht gut aus:
Esau nimmt Jakob in die Arme. Und sie versöhnen sich.
Wie kommt es? Ich glaube, die Zeit war reif.
Und als Esau sieht, wie ernst es Jakob ist - das entwaffnet ihn ganz einfach. Und miteinemmal ist die alte Wut verflogen. Und da ist nur noch Freude.
Manchmal ist eine Versöhnung aber auch undenkbar. Dann muss man sich vielleicht mit diesem Gedanken versöhnen: dass es einfach nicht geht.

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