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SWR3 Gedanken

Seit Sommer 2014 weiß Max, dass er Krebs hat. Und kurz vor Weihnachten kam dann die Nachricht, dass er unheilbar ist. Jetzt ist es amtlich, es bleibt ihm irgendwas zwischen fünf Monaten und fünf Jahren.
Max ist Wirt und in seinem Heimatort natürlich bekannt. Er hat sich entschieden, ganz offen mit seiner Situation umzugehen.
Die Gespräche mit Max sind der Hammer. Er durchdenkt immer alles bis ins Detail und spricht dann fast philosophisch.
Neulich hat er etwas zu mir gesagt - da wäre ich fast aus den Latschen gekippt. Er hat gesagt: „Krebs ist fair.“ Wie bitte? Für mich ist Krebs alles, aber nicht fair. „Doch, Krebs kriegen alle. Egal ob jung oder alt, arm oder reich, Raucher oder Nichtraucher, Krebs können alle kriegen.“ Und deshalb fragt Max nicht nach dem Warum. Die Frage hilft ihm nicht weiter. Er muss jetzt mit dieser Situation umgehen.
Und das tut er auch, indem er genau prüft, was jetzt für ihn und seine Familie wichtig ist. Also schließt er seine Wirtschaft im Frühjahr und macht mit seiner Frau eine Reise, die sie schon lange machen wollten. Max ist Wirt mit Leib und Seele, aber das zählt jetzt nicht mehr. Jetzt ist was anderes wichtig. Er hätte sich das selbst vorher nicht vorstellen können, aber jetzt ist es so, fertig. Wehmütig ist er nicht.
Ich bin tief beeindruckt von Max, von den Gesprächen und davon, wie er seine Krankheit nimmt. Dass Krebs fair ist, kann ich aber noch lange nicht sagen. Wenn ich an Eltern denke, die ihre Kinder an Krebs verloren haben, kann ich diesen Satz nicht in den Mund nehmen.Zu Max passt er. Und so lebt er jetzt auch. Er nimmt die Situation in die Hand und genießt, was er jetzt hat: das Leben.

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