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SWR2 Wort zum Tag

Wie religiöse Bilder wirken, darüber möchte ich heute morgen nachdenken. Die Bibel verbietet mehrfach, Bilder von Gott anzufertigen. Trotzdem gibt es unzählige Darstellungen Gottes. Wir können nicht ohne. Irgendwie muß ich mir Gott doch vorstellen. Bilder machen ja anschaulich; Bilder interpretieren auch, sie können festlegen, sogar verfälschen.

Bilder setzen Akzente, betonen, was dem Künstler, der Künstlerin wichtig ist. Ein sehr anschauliches Beispiel sind Darstellungen Jesu am Kreuz. In der Romanik wird Jesus meist nach überstandenem Todeskampf dargestellt, ruhig, gelöst, oft majestätisch, die Dornenkrone wirkt manchmal wie eine Königskrone. In der Gotik verändert sich die Gestalt. Es wird betont, daß Jesus den Menschen nahe ist, gerade auch im Leid. Jetzt hängt ein furchtbar leidender Jesus am Kreuz, verkrampft und gequält und oft blutig. In der Neuzeit finden sich die unterschiedlichsten Menschentypen: Jesus als Farbiger, als Asiate, als Indio, als Frau. Da wird betont, daß er Mensch war, identifiziert mit dem Schicksal jedes Menschen, nicht nur mit einer Rasse, einem Geschlecht.

Was ist aber, wenn Künstler die biblische Vorlage völlig außer Acht lassen? Wenn sie ein Motiv aus seinem religiösen Kontext lösen und frei neu komponieren? Ich kann keinen Künstler zur Ehrfurcht verpflichten, aber ein gekreuzigter Frosch mit Bierkrug beleidigt mein Empfinden. Oder ein Jesus, der zu Cola und Hamburger sagt: Das ist mein Blut, das ist mein Leib. In meinen Augen verhöhnen solche Bilder den Jesus, von dem die Bibel erzählt. Und sie können Menschen verletzen, die vor einem Kreuz beten.

Bilder sind nicht festgelegt. Und religiöse Motive gehören auch nicht nur der Kirche oder den Christen. Ich glaube auch nicht, daß Jesus durch ehrfurchtslose Bilder bloßgestellt oder beschädigt werden kann. Manchmal stoßen provozierende Bilder ja auch neue Gedanken an. Aber wenn ein Kunstwerk mein Empfinden beleidigt, will ich das auch laut sagen dürfen. Damit bin ich weder engstirnig noch intolerant.

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