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SWR2 Wort zum Tag

Du sollst den Namen Gottes nicht mißbrauchen, so heißt es in den 10 Geboten. Man kann auch übersetzen: Du sollst den Namen Gottes nicht unnütz im Munde führen, also den Namen Gottes nicht funktionalisieren, für irgend etwas benutzen. Denn ein Name ist mehr als irgendein Wort. Der Name steht für die Person, die ihn trägt. Hier liegt eine Wurzel des Verbots der Blasphemie. Das Wort Blasphemie heißt wörtlich übersetzt: den Ruf von jemandem schädigen. Seinen, ihren guten Namen verhöhnen oder lächerlich machen. Bei uns wird das Wort heute verwendet in bezug auf Gott, auf Personen, die für eine Religion bedeutsam sind wie z.B. Buddha und Mohammed, auf religiöse Aussagen, auch auf Symbole, Bilder und Bräuche. In Deutschland ist Blasphemie strafbar, wenn sie, so der entsprechende Paragraf 166 „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“. Seit den Attentaten von Paris wird bei uns wieder diskutiert, ob dieser Pragraf sinnvoll ist, nötig oder sogar schädlich. Eine der Fragen dabei lautet, ob wir Menschen Gott überhaupt beleidigen oder beschädigen können.

Ich glaube, daß wir zunächst uns selbst beschädigen. Denn Glaube und religiöse Suche gehören zum Wichtigsten und Intimsten im Leben. Gott zu ahnen ist ein wichtiger Teil meiner Würde. Deshalb trifft es mich ins Mark, wenn dieser Bereich lächerlich gemacht wird. Wenn eine Gesellschaft diese Sphäre schützt, schränkt das deshalb nicht schon die Meinungsfreiheit ein. Allerdings muß ich auch respektieren, daß es nicht möglich ist, die persönliche Religiosität jedes einzelnen gesetzlich zu schützen. Selbst innerhalb von Kirchen und Religionsgemeinschaften glauben und empfinden ja längst nicht alle gleich. Das macht es so schwer, diese Frage gesetzlich zu regeln.

Religionsfreiheit oder Meinungsfreiheit – mir scheint das der falsche Gegensatz. Der Bereich der Religion braucht Respekt. Aber er darf nicht völlig ausgespart werden von Kritik und Korrektur. Oft merken andere zuerst, wenn mit Religion indoktriniert wird, wenn eine Religion selber den Namen Gottes mißbraucht.

Und noch ein Gedanke ist mir wichtig. Die schlimmste Blasphemie geschieht nicht mit Worten oder Bildern. Gott wird vor allem da gelästert, wo jemand Menschen etwas antut, denn wir Menschen sind Gottes Ebenbild.

 

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