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SWR4 Abendgedanken

Adventskalender sind eine tolle Sache. Für jeden Tag im Dezember halten sie eine kleine Überraschung bereit. So helfen sie, dass die Zeit bis Weihnachten nicht zu lange wird. Als Kind hatte ich immer einen Adventskalender aus Schokolade und später manchmal einen mit kleinen Päckchen. Der war besonders spannend, weil ich nicht wusste, was heraus kommt.

Der Advent ist dazu da, um auf Weihnachten vorzubereiten. Und der Kalender, der die Tage des Advents zählt, ist dabei ein praktisches Hilfsmittel. Am Ende steht das größte Geschenk, das Gott unserer Welt gemacht hat. Die Christenheit glaubt, dass er uns sich selbst geschenkt hat – ganz menschlich, als Kind. Keiner versteht das einfach so. Unsere Worte können es kaum fassen. Dass Gott ein Mensch wird. Dass er sich nicht an das hält, was immer so war. Dass er Grenzen überschreitet und Mauern überwindet. 

In diesem Jahr hat mich ein Bekannter auf einen besonderen Adventskalender aufmerksam gemacht. Zusammen mit einigen Kollegen hat er einen musikalischen Adventskalender erfunden. Er funktioniert „online“, wird also übers Internet verbreitet. Und zwar unter dem Titel: Statt Mauer. Also nicht Stadtmauer, wie die Mauer einer Stadt, sondern: anstatt einer Mauer, die durchbrochen wird. Weil ich mich sehr für Musik interessiere, hat mich diese Idee gleich neugierig gemacht. Und inzwischen begeistert sie mich regelrecht. Für jeden Tag des Advents gibt es einen kurzen Text und dazu Musik. Orgel, Stimmen, ein Lied. Die Klänge, die ich da zu hören bekomme, öffnen meine Ohren. Sie machen mich aufmerksam, manchmal rütteln sie mich regelrecht wach. Genau das ist gewünscht, das verbirgt sich hinter dem etwas eigenwilligen Titel dieses Adventskalenders. Statt einer Mauer öffnet sich eine Tür. Ich schaue hinter die Steine und sehe, was sich dort verbirgt. 

Ob mir das in diesem Advent gelingt? Vermutlich werde ich in genügend Situationen auf Mauern stoßen. Es gibt da beispielsweise eine alte Freundin, die sich ganz zurückgezogen hat. Ich würde so gerne zu ihr vordringen und weiß nicht, wie ich es anstellen soll. Wahrscheinlich habe ich die Stelle noch nicht gefunden, wo ihre Mauer nicht ganz so fest ist. Es könnte auch sein, dass ich von mir aus etwas kräftiger anklopfen muss. Oder ich bin nicht gut genug auf das vorbereitet, was mich dahinter erwartet. Aus Angst wage ich nicht den entscheidenden Schritt. Ich weiß nur: Ich würde gern statt einer Mauer etwas anderes finden. Der Advent verspricht, dass es möglich ist. An jedem Tag eine Türe, die geöffnet wird. Statt Mauer!

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