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SWR4 Abendgedanken

Aids. Das Thema ist weit weg für die meisten Menschen in Deutschland. Für andere gibt es nichts, was ihr Leben mehr bestimmt. Weil sie ein Virus in sich tragen, das zu einer tödlichen Krankheit führen kann und gegen das es noch immer kein Gegenmittel gibt. Jeden Tag sterben fünftausend Menschen an den Folgen von Aids. Männer, Frauen und Kinder. Jeder und jede mit einem Leben wie Sie und ich, einmalig, kostbar, schön. Jeder von ihnen will leben, kämpft um seine Existenz, sucht nach einem Sinn für das, was er ist. 

Eine von ihnen stelle ich Ihnen heute Abend vor. Sie heißt Justine Randa und ist 32 Jahre alt. Mit ihren drei Kindern lebt sie in Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, im südlichen Afrika. Vor zwei Jahren hat sie ihren Mann durch Aids verloren. Obwohl Justine das HI-Virus in sich trägt, ist Aids bei ihr noch nicht ausgebrochen. Justine gehört zu einer kleinen Gruppe von Frauen, die regelmäßig mit den lebenswichtigen Medikamenten versorgt werden, die die Immunschwäche in Zaum halten. Dazu sagt sie: „Ich bin so dankbar, dass ich diese Behandlung bekomme. Denn jetzt weiß ich, dass ich nicht sterben muss, sondern meine Kinder selbst großziehen kann. Das ist ein großes Geschenk.“ Im Vergleich mit vielen anderen in Sambia ist Justine privilegiert. Die Medikamente sind nämlich viel zu teuer. Justine kann sie nur bekommen, weil sie durch ein Hilfsprogramm unterstützt wird. Aber was ist das für ein Privileg, frage ich mich, dass ein Mensch das bekommt, was er braucht, um zu überleben? Ohne dabei ans Geld zu denken.

In Deutschland gibt es auch Menschen, die an Aids erkrankt sind. Sie können ganz selbstverständlich mit den teuren Medikamenten versorgt werden. Heute ist aber Welt-Aids-Tag. Und da schaue ich über unser reiches Land hinaus. Hin zu denen, die auch leben wollen, die nicht so privilegiert sind wie wir. Hin zu Justine und ihren Kindern. Und ich will was tun. Wie das geht, habe ich in der Kirchengemeinde gelernt, wo ich lange Jahre Pfarrer war. Da gab es direkte Kontakte nach Sambia. Und jedes Jahr ist eine über 90 Jahre alte Frau dort hin gereist, mit einem Bündel Geldscheinen im Gepäck. Spenden, die wir das Jahr über gesammelt hatten. Es tut gut zu wissen, dass ich auf diese Weise helfen kann. Denn: Jeder Mensch, der sterben muss, bloß weil kein Geld für ihn da ist, ist ein Skandal. 

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