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SWR2 Wort zum Tag

Sie nannten ihn den Prediger von Buchenwald. 1937 war Paul Schneider in dieses Konzentrationslager gekommen, weil er an Hitlers Geburtstag den Gruß verweigert hatte. Wenn die Mithäftlinge draußen zum Appell antreten mussten, wenn sie geschunden wurden und nur noch das Ende vor sich sahen, dann rief Paul Schneider aus dem Fenster hinaus: Leute, hier wird gefoltert und gemordet. Aber Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Weiter kam er nicht, weil Wärter auf ihn einschlugen. Aber viele haben diese Botschaft gehört und daraus Kraft bekommen. Und weil er sich nicht entmutigen ließ, weil er immer wieder Botschaften aus dem Fenster rief, wurde Paul Schneider ermordet, vor 75 Jahren.
Die KZ-Schergen mussten ihn zum Schweigen bringen.
Sie spürten, welche gefährliche Kraft in seiner Botschaft steckte.
Worte, die Hoffnung machten, Worte, die sich gegen die Angst stemmten.
So wurde Paul Schneider zum Märtyrer; er bezahlte das Bekenntnis zu Christus mit seinem Leben.
Ich bin dankbar, dass ich in einer anderen Zeit lebe, in einer offenen Gesellschaft, in der es z.B. möglich ist, im Radio über den christlichen Glauben zu sprechen.
In anderen Ländern, im Nordirak oder in Teilen Syriens werden Christen bedroht, sitzen in Gefängnissen oder werden ermordet. Und auch Jesiden und Kurden. Viele verschwinden spurlos, aber von anderen kennt man auch Namen und nähere Umstände. Da finde ich es im Sinne von Paul Schneider, an diese Menschen zu denken und etwas für sie zu tun, z.B. indem man Petitionen unterschreibt oder Angehörige unterstützt. Worte sprechen, die Hoffnung machen, die sich gegen die Angst stemmen. Menschen, die am Verzweifeln sind, wissen lassen, dass sie nicht vergessen sind. Auch Minderheiten anderer Religionen brauchen diese Hilfe, mittlerweile geraten sie sogar in unserem Land unter Druck. Hier wäre es wichtig, die Menschen aufzusuchen, etwa in den Asylunterkünften. Ganz schnell kann hier Vertrauen wachsen.
Das ist die Kraft, die ich mit dem Namen Jesus verbinde. Sie wirkte bei Paul Schneider, und sie wirkt überall dort, wo Menschen Unrecht beim Namen nennen und etwas dagegen tun.
Deshalb wünsche ich mir, dass Christen und Nichtchristen denen beistehen, die wegen ihres Glaubens unterdrückt und verfolgt werden.
Möglichkeiten dazu gibt es viele.

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