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SWR2 Wort zum Tag

Bei den Ausgrabungen im antiken Olympia hat man die Werkstatt des berühmten Bildhauers Phidias gefunden. Und da lag unter vielen anderen Scherben auch der Boden eines Bechers. Auf seiner Unterseite waren zwei Worte eingeritzt: EIMI PHIDIOY – „ich gehöre dem Phidias“.
Noch die Scherbe trägt den Namen ihres Besitzers und Herrn.
Ich finde, diese Scherbe ist ein schönes Bild für mich und meine Existenz.
Auch sie trägt den Namen des Künstlers, der sie geformt hat. Der Künstler, das ist für mich der Gott der Bibel. Der Schöpfer, der den Menschen aus Erde formt und mit seinem Atem beseelt. Auch, wenn nicht jeder Mensch das von sich sagen würde. Auch, wenn der Name des Künstlers vielleicht unleserlich geworden ist und vergessen wurde. Für mich ist dieser Gedanke tröstlich: Ich gehöre nicht mir, sondern meinem Schöpfer. Und selbst, wenn mein Leben einmal zu Bruch geht, wenn es in Scherben zerfällt  unter den Hammerschlägen des Todes, dann bleibt meine Identität bestehen, für immer und ewig: EIMI CHRISTOU.
„Ich gehöre Christus. Ich bin sein Eigentum.“
Auf einem Grabstein las ich neben dem Namen den Satz: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. Das gefällt mir. Dieser Spruch ist ein Zitat aus der Bibel. Aber keines, das den so Angesprochenen ins beste Licht stellt. Denn er enthält indirekt das Bekenntnis, dass der hier bestattete Mensch seinen Schöpfer durchaus nicht immer treu war. Wie Petrus, der ja seinen Herrn verleugnete, und dann eben diesen Satz zu Ohren bekam. Und trotzdem, trotz seiner Schuld darf er zu Christus gehören.
Du bist ja auch einer von diesen Christen, die so viele Fehler machen – so etwas bekomme ich immer mal zu hören. Ich freue mich: Andere nehmen wahr, wessen Namen ich trage, meine Herkunft bleibt nicht verborgen. Ich gehöre mit vielen anderen zu seiner Familie. Ich stehe unter seinem besonderen Schutz. Und keine Schuld, kein Scheitern, ja nicht einmal der Tod kann das auslöschen. „Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn“, sagt Paulus.
Das hilft mir, wenn ich an den Tod denke. Und ich glaube: einmal wird Gott aus den Scherben meines Lebens etwas Neues formen.

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