Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

Endlich streiten sie mal richtig! Kardinäle und Bischöfe haben in Rom offenbar heftig diskutiert über Familie, Ehe und Partnerschaft. Da kamen auch Partnerschaften, bei denen eine oder einer geschieden ist, positiv in den Blick. Auch sie sind wertvoll und können sogar „etwas von der Heiligkeit der Ehe abbilden“, So die Synode. Gleiches gilt für sogenannte Patchworkfamilien oder Partnerschaften ohne Trauschein. Etliche Bischöfe und Kardinäle haben den Blick auch auf die Treue und Liebe lesbischer und schwuler Paare gelenkt. Und immer wieder war die Situation von Menschen im Blick, die nach einer Scheidung wieder heiraten. Endlich wurde laut und deutlich in einem hohen kirchlichen Gremium gefragt, ob es tatsächlich der Unauflöslichkeit der Ehe dient, wenn wiederverheiratete Menschen und auch deren neue Partner nicht zur Kommunion gehen dürfen. Nicht alle diese Überlegungen sind auch in den Schlußbericht der Synode eingegangen. Aber daß da gerungen wurde, ist offensichtlich. Die Bischöfe und Kardinäle sind „raus aus der Komfortzone“, so hat es Ute Eberl, die einzige deutsche Zuhörerin, gekennzeichnet.

Für mich zeugt das von Verantwortungsbewusstsein. Daß die Kirche deutlicher wahrnimmt, was ist, aber nicht einfach ihren Segen dazu gibt, wenn menschliches Verhalten sich ändert. Es zeugt für mich von Vertrauen in den Heiligen Geist. Vielleicht haben die Bischöfe erkannt, daß die Kirche keine Insel der Seligen ist und kein Fels in der Brandung, wo man genau und sicher weiß, was für die Menschen gut und was Gottes Wille ist. Mich ermutigt, was Papst Franziskus zum Ende der Synode gesagt hat:

„Eine Kirche, die für die Menschen da sein will, die bückt sich. Die bückt sich, um die Lebenswirklichkeiten wahrzunehmen – und schaut nicht zuerst mit der Brille des Kirchenrechts. Das hat nichts damit zu tun, ‚die Melodie der Welt‘ nachzupfeifen, das hat damit zu tun, bei den Menschen zu sein.“ Und Papst Franziskus fährt fort: „Vielleicht macht eine Kirche, die dient, manchmal auch Fehler in ihrem pastoralen Engagement. Aber wer dient, der hat auch keine weiße Weste an, sondern der trägt eine Schürze. Das kann man nachlesen im Evangelium von der Fußwaschung, da hat Jesus auch eine Schürze getragen.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18542