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SWR1 3vor8

"Frage Dich, was Dich lebendig macht. Denn nichts braucht die Welt so sehr wie Menschen, die lebendig geworden sind." Das Zitat hat mir vor kurzem jemand geschickt. Ich weiß nicht, von wem das ist. Aber irgendwie hat es mich beeindruckt. Und ich hab tatsächlich drüber nachgedacht: Was macht mich eigentlich lebendig? In welchen Momenten fühle ich mich so richtig lebendig? Oder: Wann denke ich – das ist Leben pur? Ich hab dann mal ein paar Wochen lang darauf geachtet, wann das so ist. Und dann gemerkt: Es gibt viele solcher Momente. Zum Beispiel, wenn ich mich mit jemandem total gut unterhalten habe und das Gefühl hatte: Da waren wir richtig drin vertieft. Da haben wir geredet, diskutiert, gelacht - und am Ende die Zeit vergessen. Oder wenn nach dem Regen gerade die Sonne rausgekommen ist, und ich Laufen gehe. Dann fangen die Wege wieder an zu trocknen. Und ich hab so richtig Lust, loszulaufen, mich zu bewegen und voran zu kommen. Dann merke ich: Alles um mich herum ist voller Leben. Und ich auch.
Die Bibel sagt dazu: Dass ich lebendig bin, habe ich von Gott. Darum geht es heute in den evangelischen Gottesdiensten. In einem der Schöpfungsberichte steht: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“ (1. Mose 2, 7)  Ich kann mir irgendwie nur schwer vorstellen, dass ein Mensch buchstäblich aus Erde geformt wird. Aber dass der Menscheden Lebensatem direkt von Gott hat, das finde ich einen faszinierenden Gedanken. Für mich bedeutet das: Ich bin mit Gott verbunden – und alle anderen Menschen auch. Weil ich das Leben von Gott bekommen habe. Weil mein Leben von Gott gewollt ist. Für mich ist Gott so etwas wie die Quelle von Leben, von Lebendigkeit. Wenn ich mich dann so richtig lebendig gefühlt habe, dann denke ich manchmal am Ende des Tages nochmal daran und ich danke Gott dafür. Dann habe ich den Eindruck: Da stehen diese Momente in einem weiteren Rahmen. Und ich komme in Berührung mit dem lebendigen Gott.

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