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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Vor vier Wochen, Mitte August, hatte ich dank Reinhold Messner ein ganz besonderes Bergerlebnis. Wir waren in Südtirol unterwegs, auf gut 2000 Metern, oberhalb von Sulden. Es war neblig und wir haben nur zwanzig, dreißig Meter weit gesehen. Die Hütte, zu der wir aufstiegen, die konnte man oben immer wieder nur kurz ahnen. Und dann stand da plötzlich, als wir um eine Ecke bogen, wie aus dem Nichts, ein großes, zotteliges, braunes Tier auf der Wiese. Es war definitiv keine übliche Alpenkuh, und es sah auch sehr viel respekteinflößender aus. Glücklicherweise hatten wir am Tag vorher an einer Hütte schon etwas gelesen über diese Tiere. Es waren Yaks. Reinhold Messner hat sie aus Tibet in die Alpen gebracht, schon vor fast dreißig Jahren.

 Nach dem ersten Schrecken haben wir die Yaks natürlich ordentlich bestaunt und fotografiert. Es war eine ganze Herde tibetischer Tiere, die da mitten im Südtiroler Nebel gemütlich graste. Ein wirklich besonderes Bergerlebnis war das – und trotzdem längst nicht das einzige. Denn auch die heimischen Tiere und Landschaften haben uns immer wieder ins Staunen gebracht: Flinke Murmeltiere und Hermeline, faszinierende Gletscher und wunderschöne Seen, vor allem natürlich die schneebedeckten Gipfel, die sich in den Seen spiegelten und die hoch oben über allem thronten, wie zum Beispiel der Ortler mit seinen fast 4000 Metern. Was für eine staunenswerte Natur war das!

Reinhold Messner hat diese Südtiroler Berge bestiegen – und außerdem noch als Erster alle vierzehn Achttausender dieser Erde. Heute wird er 70 Jahre alt, und über sein Leben und seine Touren staunen die Menschen auch immer wieder. Aber wichtiger finde ich fast, dass er mich eben auch das Staunen über etwas anderes lehrt: nicht nur über menschliche Leistung, sondern über die Natur, die Schöpfung: Ich staune über seine zotteligen Yaks, und ich staune über die Berge, die so faszinierend sind, durch die ich so gerne wandere, im Nebel oder auch mal im leichten Schneefall oder in strahlender Sonne. Dieses Staunen macht mich glücklicher und gelassener und auch dankbarer. Und wie von selbst muss ich dann manchmal rufen: Wow, lieber Gott, diese Berge hast du wirklich staunenswert hinbekommen!

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