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SWR2 Wort zum Tag

Was ist für Sie entspannen?
Die Bibel kennt für Entspannen ein wunderbares Wort. „Ablockern“ heißt es da einmal.
Ich bin durch die Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig darauf gestoßen. Die beiden übersetzen – im expressionistischen Stil - das Gebot, den Ackerboden im siebten Jahr ruhen zu lassen, so:

Sechs Jahre besäe dein Land. Und heimse seinen Ertrag, aber aufs siebte ablockere es (den Acker) von dir und lass ihn hingebreitet ... . (2.Mose 23,10+11)

Ich bin kein Landwirt. Ich lebe nicht in Israel.
Ich treibe nicht nach Gottes Geboten Ackerbau.
Und doch berührt mich diese göttliche Bauernregel – mein ganzes Leben.
Weil sie nicht nur für den Boden gut ist.
»Ablockern« ist für mich mehr als ein Sprachgewinn. Es ist Lebensgewinn.
So will ich entspannen, so mit der Natur, mit meiner Arbeit – mit mir selber umgehen: Ablockern! Das heißt für mich: Nichts bis zuletzt auszupressen.
Mich nicht unentwegt einspannen und anspannen.
Nichts unentwegt beackern.
Sondern: Entspannen  – Ausspannen – Lockerlassen.
Gott ruht – der Mensch darf ruhen – die Tiere – der Fremde, der im Land wohnt (3. Gebot). Und selbst der Boden – allesdarf und soll eine Ruhe erleben – kann und soll „Ablockern“.
Ablockern kann heißen:
Nicht unablässig nach Posten und Gehalt schielen.
Das unentwegte Stricken an der Karriereleiter – ab dafür!
Nicht unentwegt neue Reiseziele anpeilen, um da auch noch gewesen zu sein.
»Ablockern« heißt für mich:
Ich lasse meine  Ressourcen und Kräfte einmal brach liegen.
Ich unternehme auch nichts in der Freizeit, um hinterher noch fitter dazustehen.
Ich optimiere mich nicht.
Leib und Seele können schlicht ruhen... durchatmen.
Macht das auch Angst?
Ich selber finde schwer in diesen Ruhemodus.
Ich kriege oft meine Sorgen nicht aus dem Kopf, bin zu fixiert darauf.
Wie kann ich meine Anspannungen loswerden und aus-spannen?
Manchmal kommt mir dann ein Wort aus Bergpredigt in den Sinn.
Das lenkt mich ab von meinen Ängsten und lädt mich zum Ausspannen ein:
Es lenkt meinen Blick auf die Vögel am Himmel. Jesus sagt:

Seht die Vögel am Himmel euch an – sie säen nicht – sie ernten nicht...
und doch ernährt sie ihr himmlischer Vater... Darum sorget nicht!“ (Matth 6,26+31)

Samstag, Sonntag - ohne zu sorgen. Da gelingt das am besten.
Da bleibt alles Unerledigte liegen. Auch Arbeiten im Garten und am Haus.
Da genieße ich meine Stunden zum »Ablockern« – die himmlische Ruhe.

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