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SWR2 Wort zum Tag

Die Liebe. Für wen wäre sie nicht lebenswichtig!
Sie lässt Menschen über sich hinauswachsen, beflügelt, macht lebendig.
Wer einen Weg zu zweit geht, erfährt im Alltag ebenso wie in den überwältigenden Augenblicken, was das heißt: Liebe – im Wunder der Zuwendung zum anderen, in der Erfahrung, dass der andere sich mir zuwendet. So wird das Wort Liebe – wie Günter Kunert sagt - zu einem Vermögen dem, der durch nichts sonst zu leben vermag als durch sie.
Ohne Liebe kein wahres Leben. So denkt auch Isaak.
Im Alten Testament, im 1. Buch Mose wird davon erzählt. (1. Mose 24, 62-67)
Isaak trauert um seine Mutter Sara. Sie hat ihm viel bedeutet. Seine Trauer ist groß. Sie führt ihn weg aus seinem alten Leben in die Wüste, in die Einsamkeit.
Er kommt zu einem Brunnen mit einer alten Geschichte. Von Hagar erzählt sie. Von einer Frau, die tief verzweifelt in die Wüste gegangen war und an diesem Brunnen wieder neu ins Leben zurückgefunden hatte. Darum hat der Brunnen sogar einen Namen. Den Brunnen des Lebendigen, der mich sieht, nennt man ihn. An diesen Brunnen flüchtet sich Isaak.
Er sucht an diesem Brunnen Zuflucht und Trost, vielleicht auch sich selbst. Und ihm widerfährt an diesem Brunnen eine Geschichte von Sehen und Gesehenwerden: ein Wendepunkt in seinem Leben.
Rebekka kommt zu diesem Brunnen. Sie sieht ihn, seine Not, seinen Schmerz, während sein Blick von Tränen und Trauer verschleiert ist. Sie erscheint ihm wie ein Engel, der ihn sieht.
Meint sie mich? Wirklich mich? fragt sich Isaak.
Es ist der liebende Blick Rebekkas, ein Blick, der wahrnimmt, was ein Mensch braucht. Und dieser Blick, der auf ihm ruht, verändert ihn. Isaak wirkt wie verwandelt, weil Augen der Liebe ihn ansehen. Unter diesem Blick fühlt er sich geborgen.
Isaak und Rebekka erkennen sich, wissen, dass sie zueinander gehören und miteinander leben wollen. Sie gewinnen an gemeinsamer Zukunft, was der Einsamkeit, der Trauer und dem Alleinsein abgerungen ist.
Sie erkennen: Gott ist mit ihnen. Es ist der nahe Gott, der menschliche Gott, der Gott, der mich sieht.
Wie gut, wenn zwei Menschen sich so sehen, sich so begegnen können und in der Hinwendung zum Du dem Anderen Geborgenheit und Halt geben.

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