Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Von ganz oben nach ganz unten – manchmal geht das ganz schnell“, erzählt ein ehemaliger Banker aus New York. Er hat während der Finanzkrise seinen Job verloren. Und wem das in den USA passiert, der landet ganz schnell ganz unten. Kein Job heißt dort oft: keine Krankenversicherung.  Verlust des Angesparten, Probleme in der Familie - und manche verlieren am Ende auch noch den Respekt vor sich selber, ihre Würde.
Weil sie sich so minderwertig vorkommen. Jetzt, wo sie nichts mehr leisten können.
Mich machen solche Verlierergeschichten nachdenklich. Abstürzen, ein Stück Würde verlieren, das geht schneller als man denkt.
Was braucht jemand, der Angst hat um seine Existenz? Der nicht weiß, wie er oder sie die nächste Miete zahlen kann? Der sich minderwertig vorkommt?
Vielleicht ist es Zuwendung. Und zwar im mehrfachen Sinne. Einmal materiell, ganz klar, damit man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.
Aber auch menschlich.
Menschliche Zuwendung brauche ich, gerade in den Momenten, wo ich mich klein fühle und am liebsten im Erdboden verschwinden würde. Am besten von jemanden, der mehr in mir sieht als ich selbst.
Manche Menschen können das: Über äußere Umstände hinwegsehen. Mehr in mir entdecken als ich selbst. Mir auch wenn ich am Boden bin auf Augenhöhe begegnen. Und mir so ein Stück Würde zurückgeben.
Warum können die das, meine Würde bewahren, wenn manchmal nicht mal ich das kann?
Vielleicht, weil sie ahnen, „die Würde eines Menschen ist unantastbar“. Denn sie ist auch noch außerhalb unserer Welt mit ihren Regeln verankert. Nämlich bei Gott.
Der spricht die Würde jedem Menschen zu, egal ob Gewinner oder Verlierer. Der wendet sich den Verlierern sogar ganz besonders zu. Um ein für alle mal klar zu machen: Kein Mensch steht in der Würde über dem anderen; kein Mensch fällt im Wert, weil er nichts mehr leisten kann.
Das heißt für mich, auch an Tiefpunkten des Lebens habe ich Wert und Würde. Weil Gott die hochhält. Darauf kann ich bauen, und Sie auch.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18017