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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

20. Juli 1944: „Operation Walküre“. Oberst Stauffenberg verübt ein Bombenattentat auf Adolf Hitler. Der Putschversuch scheitert. Stauffenberg und viele Mitverschwörer werden hingerichtet.
Widerstand gegen die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten gab es in den verschiedensten Bevölkerungsgruppen. Auch unter den Christen.
Wenn über die Rolle der Kirche im „Dritten Reich“ geurteilt wird, dann ist oft von Schweigen, Wegsehen und Versagen die Rede. Das ist leider wahr - aber auch nur die halbe Wahrheit! Inmitten eines Volks von Parteigenossen, Sympathisanten und Mitläufern gab es mutige Christen, Frauen und Männer. Sie stellten sich den Machthabern entgegen. Viele von ihnen wurden zu Märtyrern, vom 17jährigen Lehrling bis zum 74jährigen Bauern.
Rund 250 Priester und Ordensleute bezahlten den Widerstand aus dem Glauben mit ihrem Leben. Allein im KZ Dachau saßen fast 3.000 katholische Geistliche ein. Für sie gab einen eigenen „Priesterblock“.
Johannes Schulz und Josef Zilliken gehörten zu diesen Häftlingen. Beide waren in der NS-Zeit Pfarrer in der Osteifel, der eine in Nickenich, der andere in Wassenach. Bei den Nazis waren sie verhasst. Unerschrocken kritisierten sie in Predigten und Flugschriften die menschenverachtende Politik des Regimes. Ein vergleichsweise nichtiger Anlass genügte, um sie in Dachau einzusperren:
An einem Nachmittag im Mai 1940 saßen Schulz und Zilliken zusammen auf der Terrasse eines Ausflugslokals am Laacher See. Da tauchte überraschend Feldmarschall Göring mit Gefolge auf. Alle sprangen auf, um den prominenten Gast lautstark mit „Heil Hitler“ zu begrüßen. Die beiden Pfarrer aber verweigerten den „deutschen Gruß“ und ignorierten Göring demonstrativ. Noch am gleichen Abend wurden Schulz und Zilliken von der Gestapo verhaftet. Fast zwei Jahre mussten sie unter unmenschlichsten Bedingungen in Dachau arbeiten, immer wieder verhöhnt und geschlagen. Krank und abgemagert starben sie kurz nacheinander an den Folgen der Misshandlungen.
Seinem Gewissen zu folgen, das ist Gott sei Dank in unserem Land nicht mehr lebensgefährlich; so wie damals in der Diktatur. Dennoch ist es auch heute nicht einfach, gegen den Strom zu schwimmen. Wer sich nicht anpasst, erntet oft Unverständnis, Spott oder offene Ablehnung.
Beispiele wie Johannes Schulz und Josef Zilliken können Mut machen, seinen Überzeugungen treu zu bleiben.

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