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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Ich kann nicht soviel leisten wie andere. Aber deswegen ist mein Leben nicht weniger wert.“ Zu diesem Ergebnis ist Frauke Bielefeldt* gekommen. Als sie siebzehn Jahre alt war, erkrankte sie an chronischer Erschöpfung. Das ist jetzt über zwanzig Jahre her. Seitdem ist in ihrem Leben nichts mehr, wie es war. Sie braucht unendlich viel Schlaf, zwölf Stunden sind es mindestens. Trotzdem fühlt sie sich am Tag oft müde und erschöpft. Hat sie ein paar Minuten gestanden, muss sie sich hinsetzen oder sogar hinlegen. Sogar Lesen strengt die heute Zweiundvierzigjährige an. Dazu kommen immer wieder Schmerzen im ganzen Körper. Chronische Erschöpfung, das ist so ähnlich wie Grippe, nur eben als Dauerzustand. Ein normales Berufsleben ist da nicht mehr möglich. Oft ziehen sich Familienangehörige und Freunde zurück - wer will schon auf Dauer mit jemand zu tun haben, der immer nur mit seiner Krankheit beschäftigt ist. Und dann wird diesen Menschen immer wieder unterstellt, sie seien einfach nur faul. Das tut ganz schön weh. Deshalb wird seit vielen Jahren der 12. Mai, also der heutige Tag, als Internationaler Tag des chronischen Erschöpfungssyndroms begangen. An diesem Tag soll für mehr Verständnis für die außergewöhnliche Situation dieser Menschen geworben werden. Frauke Bielefeldt hat mittlerweile gelernt, mit den ständigen Erschöpfungszuständen zu leben. Geholfen hat ihr dabei auch ihr Glaube. Wenn sie sich wieder einmal schwach fühlt, dann sagt sie Gott ganz schonungslos, wie es ihr geht. Sie nimmt dann kein Blatt vor den Mund. Sie hat erfahren, dass sie vor Gott nicht den Starken spielen muss. Sie fühlt sich gerade in ihrer Schwachheit von Gott verstanden und angenommen. Dadurch ist ihr etwas ganz Wichtiges klar geworden: „Auch wenn ich nicht viel leisten kann: Mein Leben ist genauso viel wert wie das anderer Menschen.“

 * Frauke Bielefeldt: Wie ein Schmetterling im Käfig. Perspektiven für ein Leben mit Krankheit.

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