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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

An einem Tisch sitzen, gemeinsam essen, miteinander reden – das ist paradiesisch. Sich Zeit füreinander nehmen. Langsam essen. Das ist Luxus pur. Letzten Sonntagabend war das bei uns in der Familie wieder so. Unter der Woche sitzen wir kaum mal alle zusammen, da hat der eine länger Schule, da ist die nächste Konferenz, da ein Handballspiel oder sonst ein Termin. Irgendwer fehlt immer am Tisch. Und oft genug muss es schnell gehen. Keine Zeit für längere Gespräche. Aber jetzt eben. Und so haben wir dann lange gesessen, gegessen und gequatscht. Das hat der ganzen Familie gut getan.

Ähnlich geht es mir mit Freunden, wenn ich bei einer Hochzeit eingeladen bin oder einfach nur mittags mit Arbeitskollegen um einen Tisch sitze. Schon bevor das Essen auf dem Tisch steht können wir miteinander reden, entspannen und uns näher kommen.

Es ist für mich kein Wunder, dass das Letzte, was Jesus mit all seinen Freunden macht, bevor er hingerichtet wird, ein gemeinsames Essen ist. Oftmals wird dieses »Letzte Abendmahl« überhöht. Das Mahl gilt als Symbol für die Art und Weise, wie Jesus sich und seine Leben und seine Botschaft verstanden hat. Dass er für und mit den Menschen lebte und dafür auch in letzter Konsequenzen starb.

All das ist sicher richtig. Vergessen wird aber dabei, dass es sich trotz allem um eine gemeinsame Mahlzeit gehandelt hat. Dass da Männer und Frauen um einen Tisch saßen und miteinander gegessen haben. Ein Bild, das mir diesen Jesus entscheidend näher bringt.  Denn das gemeinsame Essen erinnert daran, dass Jesus einer ist, der zum Lebensmittel werden kann. Jesus teilt einerseits ganz handfest Nahrung aus – die jeder Menschen ja auch zum Leben braucht. Und zugleich wird deutlich, dass Nahrung mehr ist als Kalorienaufnehmen. Essen stiftet Gemeinschaft, stiftet zum gemeinsamen Leben und Handeln an.

Wenn wir sonntags also alle um einen Tisch sitzen, dann spiegelt das unser Leben wider – oder die Hoffnung darauf, dass wir zusammengehören. Daran erinnern sich Christen auch heute, wenn sie Gründonnerstag feiern.

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