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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich bewerb mich jetzt einfach mal. Einfach, um zu sehen, was ich so wert bin.“ Das hat vor einiger Zeit ein Freund zu mir gesagt. „Oh - damit du weißt, was du wert bist.“ Hab ich geantwortet. Und wir haben beide kurz lachen müssen. Weil der Satz so verräterisch war. Ich bin wert, was ich verdienen kann. Und wenn ich mich bewerbe, sehe ich das. Dann bekomme ich so eine Art Kontoauszug meines aktuellen Werts.

Dieser Gedanke: Ich bin wert, was ich verdiene – was ich für meine Arbeit bekomme - ich glaube, der kann tief in einem drin stecken. Geld bedeutet auch Anerkennung. Dann kann ich mal richtig spüren, dass meine Arbeit was bringt.Ich glaube, für viele funktioniert das auch gut. Aber wenn ich einmal nicht so viel leisten kann, wenn ich nicht mehr so viel Anerkennung bekomme oder der Erfolg auf einmal ausbleibt - was mache ich dann?

Die Bibel erzählt: In so einer Situation war Petrus einmal. Er war Fischer. Die ganze Nacht hat er hart gearbeitet, aber es hat nichts gebracht. Als es morgen wurde, hatte es immer noch nicht geklappt. Kein Fisch im Netz, kein Erfolg. Nichts, was man nach Hause bringen kann. Ich glaube, als er angelegt hat, war er ziemlich frustriert. Da setzt sich Jesus zu ihm ins Boot und nach einer Weile sagt er zu ihm: „Wirf dein Netz nochmal aus.“ Petrus wundert sich – mitten am Tag? Das widerspricht aller Erfahrung. Aber er vertraut Jesus und probiert es. Und dann ist sein Erfolg so groß, dass er ihn kaum fassen kann. An dem Tag hat er sich Jesus angeschlossen.

Bei Petrus hat es dann ja doch geklappt mit dem Erfolg. Aber das war nicht alles. Und ich glaube, das Entscheidende war, dass er in seinem Frust Gott begegnet ist. Als er eben keinen Erfolg hatte. Und dass Petrus Jesus zugehört und ihm vertraut hat. Da muss sich etwas bei ihm verändert haben. Nicht, dass Petrus nun die Fische egal waren. Über den großen Fang hat er sich sicher gefreut. Aber er hat auch gemerkt: Es geht im Leben eigentlich um etwas anderes. Mehr von Jesus lernen – das war Petrus jetzt am wichtigsten. Das war für ihn der größte Wert.

Ich denke, mit dem Geld kann es einem so ähnlich gehen. Es ist ja nicht völlig egal, ob ich Geld habe oder nicht. Das brauche ich ja zum Leben.  Aber es ist Mittel zum Zweck. Es ermöglicht mir, dass ich mein Leben leben kann. Und ich freu mich darüber, was ich damit machen kann. Etwas Schönes unternehmen. Oder auch, jemandem helfen, der Unterstützung braucht. Das ist ein schönes Gefühl. Aber ich glaube: wie viel ich verdiene, sagt nichts über meinen Wert aus.

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