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SWR3 Gedanken

Wie gehen wir mit unseren Toten um? Rund 900.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland. Und die Zahl Menschen, die ohne irgendeine Feier oder Begleitung beigesetzt werden wird immer größer.
Als mein Bruder gestorben ist, sind um seinen Todestag herum 7 andere Menschen gestorben, die vom selben Beerdigungsinstitut versorgt wurden. Alle 7 wurden direkt vom Sterbebett ins Krematorium gebracht. Kein Gottesdienst, keine Ansprache und bei der Verbrennung oft kein Mensch dabei.
Es gibt verschiedene Gründe dafür. Manche Menschen möchten einfach sang- und klanglos aus dieser Welt verschwinden. Andere haben vielleicht kein Gespür mehr dafür, den letzten Weg eines Menschen mit Zeit und in Würde zu begehen. Nicht zuletzt fehlt aber immer mehr Menschen auch das Geld für eine Bestattung mit Gedenkfeier, ein Grab und einen Grabstein. Sterben ist sehr teuer und für immer mehr Menschen unbezahlbar. Darum finde ich eine Idee meines Bischofs, Gebhard Fürst, so gut wie angebracht.
Er will die sogenannten Sterbebruderschaften wiederbeleben. Im Mittelalter gab es Gemeinschaften, die sich darum gekümmert haben, dass die Menschen nicht allein sterben mussten. Und dass verarmte Menschen eine würdige Bestattung und auch eine Grabstelle bekommen haben. Damit sie eben nicht auf billigste Weise aus der Welt der Lebenden entfernt wurden. Eine gute und sinnvolle Idee. Denn wie wir die Toten behandeln, ist auch ein Spiegelbild davon, wie wir mit den Lebenden umgehen.

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