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SWR2 Wort zum Tag

Ich möchte heute an den Priester Adolph Kolping erinnern, ein Pionier des so genannten „sozialen Katholizismus“. Er passt gut in die Adventszeit, zur Botschaft von Weihnachten. Denn schaut man hinter das Krippenidyll mit Engelchen, Ochs und Esel, ist diese Weihnachtsbotschaft ja wirklich ungeheuerlich: Gott ist Mensch geworden, um uns Menschen von unserem Elend zu erlösen!“ Gott sei Dank gab es in den 2000 Jahren nach Christi Geburt unzählige Frauen und Männer, die diese Botschaft sehr konkret haben werden lassen, in dem, was sie gesagt haben, vor allem aber in dem, was sie getan haben.

So wie eben Adolph Kolping. Am 8. Dezember vor zweihundert Jahren wurde er geboren. Für viele sozial engagierte Christinnen und Christen ist er ein wichtiges Vorbild, bis heute.

 Adolph Kolping selbst stammte aus ärmlichen Verhältnissen., höhere Bildung war für ihn nicht vorgesehen. Aber der hochbegabte Junge war extrem eifrig und hat es doch geschafft. Nach einer Schusterlehre hat er Theologie studiert und wurde Priester.

 Als junger Kaplan kam er 1845 in die Industriestadt Elberfeld. Dort war er massiv mit dem Elend seiner Zeit konfrontiert. Und er hat sich von diesem Elend anrühren lassen. Es waren vor allem die Handwerksgesellen, die unter der rasant fortschreitenden Industrialisierung zu leiden hatten: kaum Lohn, auf sich alleine gestellt, ständig auf der Suche nach menschenwürdiger Unterkunft.

In den so genannten „Gesellenvereinen“ gab Adolph Kolping ihnen Heimat und sorgte dafür, dass sie alles lernten, was sie für ihr weiteres Leben brauchten, von der Gesundheitsvorsorge bis zur Vorbereitung auf Ehe und Familie. „Gesellenvater“ wurde er bald genannt. Er selbst verstand sich als der gute Hirte, der nahe bei den Menschen und ihren konkreten Nöten sein muss.

Wenn ich mich an Adolph Kolping erinnere, heißt das für mich, auch zu fragen: Wer sind die Menschen, die heute ins Abseits geraten? Sind es die Arbeitslosen, die vernachlässigten Kinder, vereinsamte alte Menschen, Flüchtlinge? Und wo finden sich Christen und Christinnen, die diesen in ihrem ganz konkreten Elend helfen, die ihre Not überhaupt verstehen?

Fragen, die - wie ich finde - gut helfen können, sich vorzubereiten auf Weihnachten - mit seiner ungeheuerlichen Botschaft.

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