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SWR3 Worte

Rabbi Pinchas legte seinen Schülern die Frage vor, wie man den Augenblick erkennen könne, in dem die Nacht gerade endige und der Morgen beginne. „Ist es der Moment, da der Morgen so weit graut, dass wir bereits fähig sind, auf eine gewisse Entfernung hin einen Hund von einem Ochsen zu unterscheiden?“, fragte ein Schüler. „Keineswegs“, antwortete der Rabbi. „Ist es der Augenblick, in dem wir zwischen einem Dattel- und einem Feigenbaum unterscheiden können?“, fragte ein zweiter. „Ebenso nicht“,  beschied ihn der Rabbi. „Und wann also kommt der Morgen?“, fragten die Schüler. „Er ist dann da, wenn wir das Antlitz irgendeines Menschen erblicken und in ihm Bruder und Schwester erkennen“, sagte Rabbi Pinchas. „Solange wir dazu unfähig sind, herrscht Nacht.“

 

Aus dem Buch „Nachtgedanken eines Beichtvaters“ von Tomas Halik.

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