Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wie finden Sie die Idee eines „bedingungslosen Grundeinkommens“? Wäre das nicht ein prima Weihnachtsgeschenk? Jede und jeder in unserem Land bekäme demnächst monatlich gut 2000,- Euro auf die Hand, auch ohne zu arbeiten.
Daniel Häni, ein Schweizer, hat das bedingungslose Grundeinkommen in seinem Land jetzt zur Volksabstimmung gestellt. Der Staat soll es einführen. Es wird der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen, sagt er.
Nun könnte man ja meinen, dass hier die Faulheit belohnt wird. Aber es ist genau umgekehrt, meint Daniel Häni: Ich brauche zuerst ein Einkommen, um so ausgestattet gerne, motiviert, frei und mit Freude arbeiten zu können. Wenn ich hingegen arbeiten muss, um ein Einkommen zu bekommen, dann werde ich wohl bald innerlich kündigen. Da schleicht sich dann schnell die Faulheit ein, quasi als Trotzreaktion. Das Grundeinkommen, so Daniel Häni, sei  gerade eine Initiative gegen die Faulheit.
Ich sag das mal mit Martin Luther: Gott liebt jeden Menschen bedingungslos. Von Gott werde ich ja nicht wegen meiner Taten und Werke geliebt, mögen sie auch noch so gut und zahlreich sein. Er liebt mich bedingungslos.
Und jetzt kommt der Clou: Wer das glaubt, der wird die Freiheit spüren, etwas tun zu wollen - unbedingt! Denn wer sich geliebt weiß, will das doch weitergeben.
Es ist wirklich so! Alles wird auf den Kopf gestellt! Wer sich geliebt weiß, will auch gerne Gutes tun, weil man sich damit leicht und frei fühlt.
Das war Martin Luthers bahnbrechende Erkenntnis vor rund 500 Jahren. Die machte ihn ganz leicht und frei zu guten Werken. Diese, seine so genannte „Rechtfertigungslehre“ dürfen wir uns von Gott in die Seele schreiben lassen.
Ich wünsch mir was zu Weihnachten: Luthers Erkenntnis, seine „Rechtfertigungslehre“, als mein neues Grundeinkommen. Vielleicht wird meine Arbeit dann weniger Broterwerb, sondern Dienst und Segen. Weil ich Gutes tun will. Weil ich nämlich ein freier Mensch bin und Lust am Leben habe.
Weil ich mich bedingungslos geliebt weiß und mich befreit und leicht fühlen darf und damit frei atmen will.
Ich probier´s heute mal: Möchte meine Talente ausprobieren. Jenseits von Bezahlung nach Leistung. Möchte damit eine Welt schaffen, die mir Freude bereitet und mich nicht wirtschaftlich in die Zange nimmt. Es wird eine Welt sein, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert und mich auf die Spur zu meinem Nächsten bringt. Da bin ich mir sicher.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16613