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SWR4 Abendgedanken

Vor kurzem hat ein italienischer Intellektueller ein sehr interessantes Interview mit Papst Franziskus geführt.  Das Interview war aber weiß Gott nicht nur intellektuell. An einigen Stellen ist ihr Austausch ganz praktisch. So, als der Papst nach den größten Problemen heute gefragt wird. Er sagt dann: „Die schlimmsten Übel, die die Welt in diesen Jahren heimsuchen, sind die Jugendarbeitslosigkeit und die Einsamkeit, der man die Alten überlässt." Vermutlich hat er dabei an die Verhältnisse in seinem Heimatland Argentinien gedacht. Inzwischen weiß er aber auch um die Situation in Italien und andernorts. 

Nicht für die Mitte interessiert sich dieser Papst also, der alle politischen Parteien es unentwegt recht machen wollen. Er sorgt sich um die Ränder der Gesellschaft. Es tut ihm regelrecht weh, dass die Jungen, die Frauen und Männer, die gerade auf dem Sprung ins Leben sind, dass zu viele von denen keine Perspektive haben. Es kommt mir vor, als ob er sich fragt: Was ist das denn für eine Welt, in der man sich darum nicht in ausreichendem Maß kümmert. Dagegen muss doch etwas getan werden! Gerade die Jungen brauchen wir doch. Sie sind nicht nur auf dem Papier unsere Zukunft!

 Dann die Alten. Seine Einschätzung, dass es da viel Einsamkeit gibt, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wie viele ältere Menschen warten Tag für Tag auf einen Besuch, der sie heraus holtaus den immer enger werdenden Kreisen, in denen sie sich bewegen können. Auch in Seniorenheimen und im betreuten Wohnen kann man sehr einsam sein. Das schmerzt Papst Franziskus spürbar: dass wir alles organisieren, aber die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. 

Und genau hier sieht er die erste Aufgabe der Kirche. Wenn das nämlich die größten Wunden unserer Zeit sind, dann hat sie sich vor allem anderen um die Menschen zu kümmern, die davon betroffen sind: mit Geld, durch ihren Einfluss, in der Politik. Die Kirche kann etwas bewirken. Sie kann helfen. Jeder, der sich zur Kirche gehörig fühlt, soll irgendwiemitmachen. 

Sie kennen einen Alten, der oft allein ist? Auf geht's! Besuchen sie ihn.
In ihrer Nachbarschaft hat ein junger Mensch keine Arbeit. Sie werden schon wissen, wo es anzupacken gilt.

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