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SWR4 Abendgedanken

Man hätte es wissen können, dass dieser Papst anders sein wird. Immerhin hat er sich einen Namen ausgesucht, den vor ihm noch kein anderer Papst getragen hat. Einen Namen, der schon an und für sich ein Programm ist: Franz von Assisi. Kein alltäglicher Mensch, kein gewöhnlicher Heiliger. Was ihn am besten charakterisiert, ist die Armut. Armut, die frei machen soll.

Was tragen wir nicht alles für einen Ballast mit uns herum. Ungezählte Hemden und Blusen, obwohl wir doch nur eine gleichzeitig anziehen können. Brot und Wurst und Käse überfüllen unseren Kühlschrank, so dass vieles weggeworfen werden muss. Telefonnummern und Visitenkarten von Leuten, an die wir uns längst nicht mehr erinnern. Leider hat die Kirche das nicht anders gemacht, obwohl sie sich doch einem verpflichtet weiß, der als Wanderprediger ohne eigenes Dach über dem Kopf in den Gegend herumgezogen ist. Daran erinnert Francesco, der kleine Arme, wie er gern genannt wird,zu seiner Zeit. Er sagt: Der wahre Schatz der Kirche liegt nicht in materiellem Besitz, nicht in Unterschieden des Standes, nicht in glanzvollen Auftritten. Nein, ihr Reichtum ist Gottes Schöpfung: die Grashalme auf der Wiese, die Vögel, die am Himmel fliegen, vor allem anderen aber: der Mensch. 

In einem Gespräch mit dem 89-jährigen Journalisten Eugenio Scalfari, das in der italienischen Tageszeitung La Reppublica veröffentlicht wurde, beschreibt der Papst seine Nähe zum Hl. Franz, wenn er sagt: „Er träumte von einer armen Kirche, die sich um die anderen kümmern würde, ohne an sich selbst zu denken." Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass es Franziskus genau darum geht, dass er die Kirche in diese Richtung verändern, und dass er das Papstamt so ausfüllen will. Das ganze Drumherum, das uns früher so sehr fasziniert und manchmal auch geärgert hat, das lässt er im besten Fall über sich ergehen; aber wichtig ist es ihm beileibe nicht. So schreibt er der Kirche in Deutschland und andernorts dasselbe ins Stammbuch: Seid bei den Armen! Und das seid ihr am besten, wenn ihr selbst arm seid.

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