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SWR4 Abendgedanken

Wer nachschlagen will, wie das Programm des derzeitigen Papstes aussieht, wird unter den Veröffentlichungen des Vatikans nichts finden. Franziskus hat bisher keine hoch offiziellen Erklärungen abgegeben. Stattdessen spricht er nebenbei geradezu unglaubliche Dinge aus. Wenn er im Flugzeug sitzt, auf der Rückreise vom Weltjugendtag in Brasilien, und mit den Reportern plaudert. Franziskus ordnet nicht an. Er hört auf sein Herz und denkt dann manchmal laut. 

So auch in einem Interview, das er Ende September einem Mann gegeben hat, der dem Glauben an Gott und der Katholischen Kirche distanziert begegnet. Trotzdem - oder womöglich gerade deshalb - hat er mit dem Schriftsteller Eugenio Scalfari einen Briefwechsel begonnen und ein Gespräch geführt. 

Immer wieder geht es in diesem Gespräch um Grundsätzliches. So zum Beispiel um die augenblickliche Situation der Kirche.  Scalfari konfrontiert den Papst mit der Aussicht, dass die Kirche inzwischen zu einer Minderheit geworden sei. Worauf Franziskus ihm eine seiner erstaunlichen Antworten gibt. Wörtlich: „Persönliche denke ich, dass es sogar eine Stärke ist, eine Minderheit zu sein." Nun könnte man auf die Idee kommen, das für einen der Tricks zu halten, die Theologen gelegentlich anwenden, wenn sie sich aus der Affäre ziehen wollen. Aber dieser Papst meint es ganz arglos und ehrlich. Für ihn geht es nicht um das Große, die Masse und die Macht. Er will da sein für die Nöte der kleinen Leute. Er will, dass die Kirche, deren oberster Hirte er ist, arm unter den Armen lebt. Wieder und wieder betont er das. 

Und dann setzt er noch eins drauf. Nämlich ein unüberhörbares Bekenntnis zur Ökumene. Weil die Kirche an Bedeutung verliert, und damit auch das Gute, das sie vertritt, muss sie sich der modernen Kultur öffnen, zusammen mit den anderen, die an Gott glauben und das Evangelium verkünden. Viel zu wenig ist in dieser Richtung getan worden, sagt er, für den Dialog mit den Nichtglaubenden beispielsweise. Wenn doch nur der Ehrgeiz dieses Papstes viele Nachahmer finden würde.

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