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SWR4 Abendgedanken

„Der Hof ist die Lepra des Papsttums", sagt Papst Franziskus. Ich beginne damit eine Serie von Papstworten, die für die Abendgedanken dieser Woche der rote Faden sind. „Der Hof ist die Lepra des Papsttums." Damit setztdieser Papst einen weiteren Paukenschlag in den Mauern des Vatikans, die ohnehin erschüttert sind. Franziskus nimmt kein Blatt vor den Mund, auch dann nicht, wenn es um Kritik an der eigenen Kirche geht. Wenn ihn etwas ärgert, dann sagt er das mit klaren und verständlichen Worten. Trotzdem bleibt er froh und charmant. Das nimmt mich sehr für ihn ein. Mit seinen 76 Jahren wirkt er manchmal wie ein kleiner Junge auf mich, der gerade eine interessante Entdeckung gemacht hat. 

Im September hat Papst Franziskus dem italienischen Intellektuellen Eugenio Scalfari, ein Interview gegeben. Scalfari, der, wie er sagt, nicht an Gott glaubt, hat den Papst zu ganz vielen Themen befragt. Eben auch dazu, was er von den Menschen denkt, die im Vatikan für ihn arbeiten, von jenem Apparat, der Kurie genannt wird. Unter seinem Vorgänger ist viel Kritik an ihr laut geworden - wegen unsauberer Geldgeschäfte und menschlicher Eitelkeiten.  Franziskus lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihn genau das ärgert: das Hofhalten, als sei man noch in einem längst vergangenen Jahrhundert. Deshalb warnt er seine römischen Mitarbeiter davor, sich um sich selbst zu drehen. Als „Lepra" bezeichnet er das, als eine ansteckende Krankheit. Sie kann das Gute kaputt machen, wenn sie die Oberhand gewinnt. Franziskus will deshalb unter keinen Umständen zulassen, dass der Vatikan sich abschottet von der Welt, die ihn umgibt. 

Ich atme regelrecht auf, wenn ich das höre. Kein Wort mehr von jener unsäglichen Trennung von Welt und Kirche. Im Gegenteil. Der Papst will, dass ich mich für alles interessiere, was mir begegnet, und es nach Möglichkeit zu lieben lerne. Weil Gott sich auch für alles interessiert, was er geschaffen hat. Für alles! Der Welt, meiner Welt soll ich zu Diensten sein, so gut ich es vermag. Jeder Christ soll das, die Priester, die Bischöfe, im Vatikan und außerhalb. Damit unsere Welt mehr und mehr so werden kann, wie Gott sie gewollt hat.

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