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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Euer Feindbild - ab jetzt bin das ich!" So hat sich vor vielen Jahren mein neuer Klassenlehrer uns Schülern vorgestellt. Er meinte auch: „Feindbilder habt ihr ja sowieso und ihr braucht jemanden, auf den ihr mal schimpfen könnt."
Natürlich war das nicht ganz so ernst gemeint. Sein Ziel war wohl eher das Gegenteil: nämlich mit Feindbildern aufzuräumen. Denn gerade diesen Lehrer habe ich gut in Erinnerung, weil er immer versucht hat, mit allen auf Augenhöhe zu bleiben. Auch wenn's schlechte Noten gab. Sein Ziel war es, gemeinsam eine Lösung zu finden. Ganz egal, welche Schüler-Lehrer-Fronten sich aufgebaut hatten.
Und damit hat er was bewirkt: ohne Feindbild im Weg haben einzelne überraschend ihr Interesse für die Schule entdeckt. Und unsere vorher so gefürchtete Klasse wurde zwar nicht „handzahm", aber eben für andere Lehrer und Schüler wieder viel zugänglicher. Das tat allen Beteiligten gut.
Vielleicht hat sich Jesus auch deshalb mal zu Feindbildern geäußert. Auch er meinte, Feinde haben ist menschlich. Aber Feindschaften pflegen, braucht man deshalb noch lange nicht. Ganz im Gegenteil. Liebet eure Feinde, sagt er.
Das ist allerdings eine ziemliche Zumutung. Ein Feind, das ist doch jemand, der mir schaden will. Wieso soll ich den lieben? Besser wäre doch wohl, sich zu verteidigen! Auch schon in der Schule.
Jesus ist da anderer Meinung. Vielleicht weil er genug Beispiele kennt, die zeigen: ein Feind ist nicht immer ein Feind oder muss kein Feind bleiben.
Und auch wenn man nicht immer Feinde in Freunde umwandeln kann, bringt es mehr, aufeinander zuzugehen, als weiter die Fronten zu verhärten. Ganz so wie bei meinem Klassenlehrer damals.
Also einfach: Ran an den Feind - ganz im Sinne von Jesus?
Einfach ist das bestimmt nicht. Aber Jesus hat das trotzdem getan - im ganz großen Stil - und damit Menschen einen Neuanfang ermöglicht. Auch seinen Feinden.
Und ein Neuanfang, der hat was. In der Schule, nach einer schlechten Note, aber auch sonst im Leben. „Liebet eure Feinde" ist vielleicht eine Zumutung, aber es macht Neuanfänge möglich. Im großen und im kleinen Stil
Und klein angefangen, heißt es doch erst einmal: Räum öfter mal mit deinen alten Feindbildern auf, denn schon das lohnt sich.

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